Fuji XF27mm F2.8 – Testbericht

Das Fuji XF 27mm ist die Aufgrund von Labortests wohl am meisten unterschätzte Festbrennweite (FB), die die Japaner für ihr X-Lense-System aktuell im Angebot haben – und mein Lieblingsobjektiv im aktuellen Setup. Zeit für das Leichtgewicht von Fuji eine Lanze zu brechen.

Vorab

Disclaimer: Unsere Tests finden nicht im Labor statt. Hier bekommt Ihr die subjektiven Eindrücke und Erfahrungen aus Praxis und Alltag mit den getesteten Produkten. Viel Spaß damit.

Das XF27 – voller Name: Fujinon XF27mm F2.8 – war das erste Fuji-Objektiv, das damals direkt mit dem Systemumstieg von Pentax – ursprünglich nur als Erweiterung des bestehenden Kamera-Fuhrparks angedacht – mit der X-E2 eingezogen ist. Die Idee beim Einstieg in das Fuji-X-System war in der Hauptsache kompakt und dabei hochwertig fotografieren zu können – immer dann, wenn die volle DSLR-Ausrüstung zu klobig, groß, schwer und unpraktisch war: Unterwegs mit Freunden, bei Familiengeschichten oder auch einfach nur im Alltag.

Da ist das 27er mit seiner kompakten Bauweise als Pancake mit einem Kampfgewicht von unter 80g natürlich ein offensichtlicher Kandidat – zumal an der X-E2 auch noch ausgesprochen hübsch, wenn auch mit leichten Tendenzen zum Hipstertum.

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XF27mm mit der X-E2

Einhundert Prozent sicher war ich mir vor der Anschaffung des Objektivs trotzdem nicht: Zum einen erschienen mir 27mm als „Immerdrauf“ mit Fokus auf das Fotografieren von Menschen – wenn auch nicht für Portraits im klassischen Sinne – doch recht weit. Es ist immerhin näher an dem klar auf Landschaft und Architektur ausgelegten 10-24 Weitwinkel-Zoom als an dem für Alltagssituationen (bzw. Street) häufig bevorzugten 35mm dran. Hinzu kommt die für Festbrennweiten vergleichsweise kleine maximale Blendenöffnung von F2.8, die der Auslegung als Pancake geschuldet ist.
Der Grund es trotz der offenen Fragen mit dem 27mm zu probieren ist dabei schrecklich trivial: Der Preis auf dem Gebrauchtmarkt liegt bei deutlich unter 300, z.T. nahe an den 200 Euro. Mit anderen Worten: Ein überschaubares Risiko.

Die Praxis

Das Päckchen mit dem Winzling kam Samstags an – gerade passend für einen 30. Geburtstag, für den ich um ein paar Fotos gebeten worden war. Trotz dem Zweifel, ob ein komplett neues Kamerasystem die richtige Entscheidung für ein paar „Auftrags“-Fotos ist, hat die Equipment-Euphorie gesiegt und X-E2 sowie 27mm kamen mit. Und ein bisschen Zeit zum Spielen blieb vor dem ersten Einsatz auch noch.

Ausgepackt fiel zuerst die geradezu lächerliche Größe des Objektivs auf: Gerade einmal 2 cm tief, im Durchmesser mit 6cm kaum größer als das Gewinde selbst und mit den bereits vorweggenommenen 80g Gewicht unfassbar leicht. Das passt in jede Jackentasche.

XF27 an der X-E2 im Profil; Größenvergleich XF27

Dabei fühlt sich das Pancake wertig an. Nicht überragend wie andere Objektive (56mm), aber solide und gut verbaut. Das Front-Element – das sich beim Fokussieren minimal bewegt – ist in Plastik eingefasst, der Tubus an sich und auch das Gewinde sind aus Metall. Von vorne sieht die Optik dadurch in Kombination mit der kleinen Glasöffnung fast wie eine Spielzeug-Linse aus. Der schmale Fokus-Ring ist angenehm zu bedienen, das Metall geriffelt und entspricht meiner Vorstellung von Leichtgängigkeit und Wiederstand. Schade, aber bei der Bautiefe eine Zwangsläufigkeit, dass ein Blendenring fehlt. Diesen vermisse ich durchaus, da die Einstellung über das Funktionsrad der X-E2 sehr fummelig und auch nicht mit dem Auge am Sucher machbar ist. Aber das ist wohl eher eine Kritik an der E2.

Trotzdem beste Voraussetzungen für einen feuchtfröhlichen Abend mit ein paar netten Partyfotos. Und heiliger Glastopf, hat das 27er mich von den Pinnen gehauen. Der Fokus sitzt durchweg, die Geschwindigkeit zum Fokussieren ist auch in der reduzierten Beleuchtung der Location kein Problem und die Abbildungsleistung von Objektiv in Kombination mit der Kamera spitze. Das bestätigt sich im Nachgang beim Pixel-Peeping umso mehr:

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Schärfe des XF27 an der X-E2 bei einem Low-Light-Shot

Der in manchen Labortests als störend herausgestellte Schärfeverlust zum Rand hin ist mir in der Praxis übrigens nie entscheidend aufgefallen.

Wie also hat sich das XF27 seitdem in den Alltag integriert? Kurz: Hervorragend. Die anfängliche Sorge um die zu große Weitwinkligkeit ist ausgeräumt. Gerade im Getümmel ist die Art der Fotografie durch „Ansetzen und Abdrücken“ praktikabel und macht schlicht Spaß. Allerdings ist vom vollformatigen Portraitieren natürlich abzuraten: Die Verzerrung durch die Nähe zur Person wird bei einem Ausschnitt jenseits des Oberkörpers bereits deutlich sichtbar.

Der Fokus ist – wie bei dieser Brennweite zu erwarten – treffsicher. Hier spielt die – gerade im Vergleich zu den billigen 18-55er Zooms – solide Offenblende von F2.8 eine positive Rolle. Die Fokusgeschwindigkeit ist ausreichend, wenn auch nicht begeisternd.
Mit der maximalen Blendenöffnung komme ich persönlich sehr gut zurecht. Zum einen ist die Abbildungsleistung bereits weit offen solide, zum anderen erkaufe ich mir durch die im Vergleich etwas kleinere Blendenöffnung die extrem flache Bauform.

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Einzig limitierend wirkt hin und wieder die Naheinstellgrenze von 60cm. Nicht schrecklich, mit Sicherheit auch nicht die originäre Funktion eines 27mm Objektivs, aber in meinem Alltag eben doch hin und wieder aufgefallen.

Hier noch ein paar Fotos vom XF27mm mit der X-E2 von Fuji:

Richterspruch

Ich habe das Fujinon XF27mm F2.8 in der Einleitung als unterschätzt betitelt. Dies bezieht in der Hauptsache wohl auf den Unterschied zwischen den Testergebnissen der Fachzeitschriften als eine der schlechteren Festbrennweiten auf der einen Seite im Gegensatz zu der Tatsache, dass es sich bei mir – obwohl in den Bestenlisten deutlich besser platzierte Objektive wie das 56mm 1.2 verfügbar wären – zum „Immerdrauf“ gemausert hat auf der anderen Seite. Die Art mittendrin fotografieren zu können, ohne einen Moment verlassen zu müssen, macht einfach Laune. Die Schwächen auf dem Papier, z.B. die kleine Blendenöffnung, nehme ich dabei weniger als Nachteil des Objektives als vielmehr als strategische Entscheidung für die Vorteile der Linse, wie z.B. die kompakte Bauform, wahr. Fehlende Streulichtblende oder Bildstabilisator fallen dabei für mich überhaupt nicht ins Gewicht. Die beschriebenen Vorteile, wozu für mich trotz Konkurrenz aus dem eigenen Hause, auch die Abbildungsleistung zählt, machen aus dem Pancake ein richtig starkes Objektiv. Und das bei einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kaufempfehlung.

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von Daniel

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Stephan sagt:

    Danke für den Test. Das Objektiv ist „merkwürdigerweise“ auch auf meiner Wunschliste, gerade wegen der kompakten Abmessungen. Macht sich scheinbar gut als „immerdrauf“.

    Gefällt mir

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