In den Straßen von Havanna – Straßenfotografie mit kleinem Besteck

Ehrlichgesagt habe ich bisher wenig Berührungspunkte mit diesem Genre gehabt und ich muss sagen, dass ich echt Spaß hatte, sobald die erste „Hemmschwelle“ überschritten war. Anlass genug meine Eindrücke zu schildern.

Lange bevor ich die Möglichkeit hatte, Havanna zu besuchen, habe ich mir viele Gedanken über das mögliche Equipment gemacht. Ich habe mir von Anfang an Menschen und Leben vorgestellt, das ich irgendwie einfangen wollte. Ich denke von Anfang an war mir eigentlich klar, dass ich nicht mit einem großen Zoom losziehen wollte, sondern die Dinge einfach halten wollte. Im Wesentlichen hatte ich meine Pentax K-5 und das Pentax FA31 Limited dabei.

In der Praxis war das auch eigentlich alles, was man braucht. Klar wäre ein Weitwinkel hier und da praktisch gewesen, um die Menschen mit ihrer Umgebung abzulichten oder um Gebäude zu fotografieren, aber die Anforderungen, die eine Normalbrennweite einem ständig abverlangt, reizen mich nach wie vor. Ich lerne ständig dazu und ein engerer Blickwinkel hilft mir mich immer wieder auch mal auf die Komposition und das Wesentliche zu besinnen.

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Wenn man dann durch die Stadt läuft, ist man in einem Paradies für Fotografen. Überall passiert irgendwas auf den Straßen, die Gebäude haben ihren speziellen Charme und natürlich die alten Autos, die irgendwie am Fahren gehalten werden, springen sofort ins Auge. Wir waren im Oktober dort und obwohl es immer hieß, dass Kuba von Touristen überrannt wird, fand ich es erträglich. Von der prophezeiten Invasion der Amerikaner ist zumindest bei mir nichts angekommen. Es ist aus unserer konsumorientierten Sicht gerade zu erfrischen keine großen Modeketten oder Fastfood-Restaurants zu sehen. Ich will gar nicht den Sozialismus und die damit einhergehenden Einschränkungen bewerten, aber ich persönlich hatte viel weniger Stress, wenn ich in einem Supermarkt Nudeln kaufen wollte, denn es gab (…) Nudeln und zwar eine oder wenige Sorten. Auswahl ist Stress und Stress beeinflusst alles in unserem Leben – besonders die Fotografie. Ich denke im Nachhinein die Einfachheit unseres Equipments beeinflusst die Art zu fotografieren. Die Bilder, die in Havanna entstanden sind, sind nicht spektakulär, haben keinen Weitwinkeleffekt, keine Starbursts oder dramatische Perspektiven, sie sind einfach und mit einem einfachen Setup gemacht. Und genauso wollte ich es haben.

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Ein kleiner Tipp, der mir wirklich geholfen hat die Situationen festzuhalten ohne sekundenlang die Kamera auf die jeweilige Person zu richten: ISO hoch (800 – 1600), Belichtungszeit runter (1/200 bis 1/400 s) und Blende je nach Wunsch auf 2,8 bis 5,6. Damit kann man oft im Vorbeigehen scharfe Bilder machen ohne die Menschen zu bedrängen. Manche setzen in solchen Fällen auf die hyperfokale Distanz und manuellen Fokus. Das ist bei 31 mm auf einem APS-C Sensor aber erstens nicht so komfortabel (bei dem DA21 sieht das zum Beispiel ganz anders aus) und zweitens finde ich den Autofokus der Kamera mit dem FA31 nicht so schlecht, dass ich ihn deaktivieren würde. Wenn ihr trotz eurer erwünschten Unauffälligkeit doch entdeckt werdet, lächelt und guckt, wie das Gegenüber reagiert. Mir persönlich gibt es einen faden Beigeschmack, wenn ich merke der Person hat es nicht gefallen. Jeder muss für sich entscheiden, was er in solchen Situationen mit den Bildern anstellt.

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Havanna ist eine besondere Stadt, weil ich den Eindruck hatte, dass alle Facetten Kubas zur Geltung kommen. Wie überall, wo wir auf Kuba hingekommen sind, habe ich mich sehr sicher gefühlt. Klar, man wird angesprochen, weil die Menschen Zigarren, Rikscha-Touren und City-Walks anbieten oder einfach nach Kosmetika fragen, aber es war nie grenzwertig oder übermäßig aufdringlich. Außerdem wird schnell klar, was ich überall empfunden habe: Es gibt das touristische Havanna, das mit restaurierten Fassaden, netten Cafés und Plätzen glänzt. Hier bezahlt man mit der Touristenwährung Peso Convertible (1 CUC = 1 USD) und wird über CCTV beobachtet. Und es gibt das Havanna, bei dem einem sprichwörtlich die Decke auf den Kopf fällt. Die Gebäude sind marode, Balkone sind notdürftig mit Holzbalken abgestützt und Kinder spielen auf der Straße oder rostigen Spielplätzen. Hier zahlt man mit dem (fast) wertlosen Peso (1 CUP ~ 0,04 USD) und steht für subventionierte Lebensmittel an. Man hat uns etwas scherzhaft gesagt, dass man in Kuba sehr sicher ist. Es passiert einem absolut nichts – außer man wird von herunterfallenden Gebäudeteilen erschlagen. Ein nicht unerheblicher Teil der Raumdecken ist schlicht eingestürzt. Zwischen diesen zwei Welten machen die Menschen Musik, tanzen und verbringen viel Zeit auf den Straßen. Man hat doch das Gefühl, dass viele Menschen dort zwei unglaublich kostbare Güter in rauen Mengen zur Verfügung haben: Zeit und Lebenslust.

Viel Spaß mit den Bildern:

AboutUs-2

von Sebastian

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