Aus alt wird neu – Was die alten Negative hergeben

Jeder von uns hat wahrscheinlich irgendwo alte Bilder und die zugehörigen Negative in der Schublade. Neben schönen Erinnerungen sind vielleicht auch Bilder dabei, bei denen man sich etwas mehr Mühe gegeben hat. Im folgenden Artikel findet ihr ein paar Anregungen, wie ihr die alten Negative mit überschaubarem Aufwand in die digitale Welt holt.

Vorweg sei gesagt, dass es natürlich Negativ-Scanner in allen Preisklassen zu kaufen gibt. Gleichzeitig kann man auch im Fotolabor seines Vertrauens nachfragen, ob die Möglichkeit des Digitalisierens von Negativen besteht. Hier wird eine Möglichkeit beschreiben, wie man sozusagen mit Hausmitteln zu brauchbaren Ergebnissen kommt.

Wie geht man vor?

Um die Negative abzufotografieren, braucht man folgende Dinge:

  • Kamera mit Makro-Objektiv
  • Lichtquelle (möglichst gleichmäßig)
  • Haltevorrichtung für die Negative vor der Lichtquelle
  • Stativ

Für die Lichtquelle habe ich eine Tageslichtlampe hinter eine lichtdurchlässige Kunststoffplatte gestellt. So kommt es zu einer relativ gleichmäßigen Ausleuchtung ähnlich der eines Leuchttisches. Mit einer Kunststoffführung aus einfachen Kunsstoffstreifen kann der Negativstreifen möglichst flach vor der Lichtquelle gehalten werden, um Wellen im Negativ zu vermeiden. Zum Abfotografieren habe ich ein 300 mm Makro-Teleobjektiv verwendet. Die Blende habe ich auf f/8.0 gestellt, um eine möglichst gleichmäßige Schärfe zu erhalten. Eine Markierung auf der Kunststoffführung zeigt mir, wo ich das jeweilige Negativ zu platzieren habe, damit es gänzlich aufgenommen werden kann. Zur Sicherheit habe ich jedes Negativ zwei Mal im RAW-Format abfotografiert.

WP_20160130_15_20_54_Pro-2.jpg

Um die abfotografierten Negative in der RAW-Software zu einem Positiv umzuwandeln, gibt es einen einfachen Trick. Jeder kennt wahrscheinlich eine gängige Tonwertkurve mit – sagen wir mal – mittlerem Kontrast. Links werden die Tiefen dargestellt, rechts die Höhen. Dreht man diesen Verlauf um, sieht man zum ersten Mal das eigentliche Bild auf einem PC-Bildschirm.

Hier sieht man, dass der Zahn der Zeit an den  Bildern genagt hat. Kleinere Kratzer und Flecken lassen sich gut wegstempeln. Schwieriger gestaltet sich der Weißabgleich. Ein guter Startwert ist natürlich die Farbtemperatur der Leuchte selbst, um leichte Farbstiche aus dem Bild zu entfernen lohnt sich aber ein Ausprobieren rund um diesen Startwert. Wichtig ist zu wissen ist, dass jeder Regler jetzt andersherum funktioniert.

Zu den gezeigten Bildern

Die folgenden Bilder stammen aus dem Jahr 2002 und sind auf einer Reise quer durch Ägypten entstanden. Damals war ich 17 und hatte meine alte Olympus OM-2n mit einem 28 f/2.8, einem 50 f/1.8 und einem 135 f/4 dabei. Abgesehen vom häufigen Wechseln der Objektive würde ich ein ähnliches Setup jederzeit wieder mitnehmen, wenn ich nur auf Festbrennweiten setzen würde. Randnotiz: Mit einem APS-C Sensor müsste man ein 18 f/2, ein 35 f/1.2 und  ein 90 f/2.8 einpacken, um ähnliche Blickwinkel zu haben und auch zur Not ähnlich Tiefenunschärfe zu erreichen

Die Schwierigkeit war es damals Momente abzupassen, die keine oder wenige Touristen zeigen und manuell scharf zu stellen. Welche Blende ich wo eingestellt habe, kann ich natürlich nicht mehr nachvollziehen.

Resümee

Mir fehlt gerade (noch) der Vergleich zu einem professionellen Negativ-Scanner, aber ich denke, dass das, was man heute als verwaschen oder nicht so knackig bezeichnen würde, vom Negativ und nicht von dem hier vorgestellten Verfahren kommt. Ich kann mich schwach erinnern, dass ich auch mit ISO 400 Filmen fotografiert habe, da mir im Vorfeld klar war, dass wir Tempel oder Pyramiden auch von innen sehen werden. Die leichte Körnung ist für immer im Negativ eingebrannt. Gleiches gilt für „Flüchtigkeitsfehler“ beim manuellen Scharfstellen und bei der Wahl der Blende. Sollte ich mal die Gelegenheit haben, einen Scanner in Anspruch zu nehmen, werde ich über die Unterschiede berichten. Um die Bilder mal wieder zu betrachten und als nette Erinnerung, ist das Abfotografieren absolut in Ordnung.

Abschließend wurde mir klar, auf welchem Niveau wir heute jammern, wenn wir bei DXO Sensoren vergleichen oder uns über eine nicht so perfekte Randschärfe bei Objektiven Gedanken machen. Außerdem werde ich bald bestimmt mal mit einer Analogkamera unterwegs sein.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Übrigens: Wir sind damals in Luxor gelandet und von dort aus über den Nil bis zum Assuan-Stausee gefahren und haben auf der Strecke die gängigen Highlights, wie z.B. das Tal der Könige, Edfu, Esna, Kom Ombo, Assuan und Abu Simbel gesehen. Später waren wir noch einige Tage Hurghada und Kairo. Von Kairo aus haben wir uns unter anderem die Pyramiden von Gizeh angeschaut.

AboutUs-2

von Sebastian

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