Fujinon XF 56mm F1.2 R – Test & Erfahrungsbericht

Festbrennweiten im Bereich von 50mm – die Nifty Fifties – sind aus unterschiedlichen Gründen sehr beliebt, auch bei Einsteigern. Wir blicken heute auf das 56mm-Glas für die Kameras der X-Serie und erörtern, was diese Linse so großartig macht und was man vor dem Kauf bedenken sollte.

Wie immer gilt: Unsere Tests beschreiben die Praxis, nicht die Laborwerte.

Damals, als Bilder noch auf Film gebannt wurden und Festbrennweiten der Normalfall gegenüber Zooms waren, war die 50mm Linse der Einstieg in die Welt der Fotografie. Wo heute 18-55 auf Bundle-Verpackungen prangt, wurde eben die 50mm Festbrennweite beigelegt. Auf diesen Punkt bezogen muss man gestehen: Früher waren die Zeiten besser. Während die Hersteller die 50mm Linsen gerne produzierten, da diese aufgrund eines einfachen optischen Aufbaus recht günstig und kompakt waren, bekamen die Fotografen eine Normalbrennweite (den Sehgewohnheiten des menschlichen Auge entsprechend) mit guter Qualität – Win Win. Die Nifty Fifties haben ihre Beliebtheit auch beim Übergang in das digitale Zeitalter behalten, denn der gute Preis bei guter Qualität ist geblieben, auch wenn der Vergleich mittlerweile hinkt: Stichwort Crop Faktor. Sprechen wir über das 56mm von Fujinon entspricht das 85mm Kleinbildäquivalent, wir bewegen uns also im Tele-Bereich. (Umgekehrt gerechnet ist das klassische 50mm KB ein 35mm am Crop-Sensor.)

Wer bei Fuji im Bereich von 50mm sucht hat die Auswahl zwischen drei Linsen:

  • Dem hier vorgestellten XF 56mm F1.2 R
  • Der ähnlichen Variante XF 56mm F1.2 R APD (= Apodisation)
  • Dem sich deutlich unterscheidenden XF 50mm F2 R WR (Weather Resistant)

Somit stellt sich an erster Stelle die Frage, was für wen?

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Gehen wir vom hier vorgestellten Objektiv (XF 56mm F1.2 R) als Referenz aus und vergleichen die beiden Alternativen.

Als nächster Verwandter ist das Objektiv mit der Erweiterung APD zu nennen. Hierbei handelt es sich um den Apodisations-Filter, ein eingebauter Graufilter mit Gaußscher Glockenverteilung der Dichte (der Rand wird dunkler) zur Verbesserung des Bokeh. Dieses wird angenehmer und ruhiger, allerdings auf Kosten der Lichtstärke (ca. ein Blendenstop Verlust), minimal reduzierter Schärfe und deutlich dünnerem Geldbeutel – denn das Objektiv kostet 500$ extra. Wer dazu mehr wissen will, dem sei der hervorragende Post auf dem Blog von Tom Grill inklusive Vergleichsbildern ans Herz gelegt.

Als drittes hätten wir das 50mm F2. Dieses ist bereits im Namen erkennbar anders: Positiv hervorzuheben ist die Abdichtung gegen Wetter, die als sinnvolle Investition natürlich eine passende Kamera wie die X-T2, H1 oder Pro2 voraussetzt. Ebenfalls auf der Haben-Seite sind die kompakteren Abmessungen von ca. 1cm Minus in Tiefe und Breite bei einer Gewichtsabnahme von 400 auf 200g. Das ganze wird Erreicht durch eine Reduktion der maximalen Blendenöffnung auf – für die Nifty Fiftys schon geringe – F2. Die Bildqualität wird von Fotografen als hervorragend beschrieben, ohne jedoch die Qualität der 56er-Reihe zu erreichen.

In Zusammenfassung bleibt das F1.2R also das klassische Allrounder-Objektiv, mit dem APD als Spezialistenversion für den anspruchsvollen Portrait-Profi mit entsprechendem Geldbeutel und dem F2 als Linse die entweder als Immerdrauf im Außenbereich oder besonders kompaktes Objektiv bei der Hälfte des Preises zu gefallen weiß. Während das APD für mich preislich bezüglich des Mehrwertes nicht in Frage kommt, empfehle ich bei der Entscheidung zwischen 56 und 50 die Frage nach dem Einsatzbereich zu stellen. Für mich ist 56mm eine Session- und Studiolinse während sich die 50er draußen bei Reportage oder Street-Fotografie am wohlsten fühlt. Eure Entscheidung. Ich selbst werde letzteres wohl irgendwann über das 35mm abbilden – aber das ist weit entfernte Zukunftsmusik.

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Wehrmutstropfen für alle Fuji-Fotografen: Andere Hersteller haben 50mm Linsen im Preisbereich von 120€ (Canon) bis 140€ (Nikon) im Angebot. Die Qualität ist eine andere, aber der Einstieg in Festbrennweiten ist deutlich kostengünstiger als die 500€ für 50 bis 1000€ für 56mm Anfangsinvestition (UVP).

Zurück zum Objektiv: Dieses ist hochwertig gebaut, der Korpus besteht nahezu komplett aus Metall und die beweglichen Teile vermitteln Qualität und Langlebigkeit. Schön – wenn auch Standard bei Fuji – finde ich den an der Linse verbauten Blendenring, denn ein wichtiger Parameter wird physisch abgebildet. Im Kontext des Fuji-Ökosystems hat die Qualität der Linse ihren „Preis“. 400g und Dimensionen von über 7cm. Gerade an den kleineren Kameras wie der X-E2 wirkt das Verhältnis von Kamera zu Objektiv optisch eigenartig und von der Handhabung frontlastig. Im Vergleich zu anderen Herstellern dieser Größenordnung – bestimmend ist hierbei insbesondere die Blendenöffnung – ist die Linse aber noch immer kompakt und leicht.

Letztendlich wichtig ist aber, dass Dimension und Gewicht des äußeren sich in der Bildqualität spiegeln. Wer Daten für das Linsenquartett sammeln möchte sei – wie immer bei RausKlickBoom – an die entsprechenden Fachzeitungen mit Foto-Labor verwiesen. Für die Subjektiven Eindrücke: Bereits bei Offenblende ist die Bildmitte in der entsprechend winzigen Schärfeebene extrem hoch. Beim Pixel-Peeping gibt es dann zwar einen Abfall der Schärfe im absoluten Randbereich, Prints oder Web-Veröffentlichungen werden dadurch aber nicht negativ beeinflusst. Sobald man nur leicht abblendet bleibt kein Wunsch mehr offen. Selbst 1:1 Ansichten liefern wunderbar scharfe Kanten, wodurch insbesondere die höher auflösenden Sensoren der aktuellen Generation wie bei der X-T2 profitieren. Ich selbst nutze die Offenblende fast nie, die Bildwirkung ist sehr speziell und gerade in dynamischen Situation der scharf abgebildete Bereich bereits zu schmal, aber die Tatsache das Blende 2.2 schon als stark abgeblendet gelten kann, ist natürlich Wahnsinn.

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Die Autofokusgeschwindigkeit entspricht dem erwartbaren. Das bezieht sich hier auf eine Linse von 85mm auf KB und einer Blende von 1.2. Die Kamera fokussiert weitestgehend zuverlässig, Fokus-Hunting tritt selten auf und bei gutem Licht ist die Geschwindigkeit auch mehr als in Ordnung. Eine Sport-Linse ist das 56er aber nicht. Bei miserablem Licht setze ich persönlich auch lieber auf kürzere Brennweiten wie das XF 27mm F2.8.

Ist das 56er also das richtige Objektiv für euch? Diese Frage bezieht sich eigentlich nur auf den angestrebten Einsatz des Objektivs, denn die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben und die Blendenöffnung gibt mehr her, als häufig sinnvoll ist. Für Fuji-Fotografen dürften Größe und Gewicht überraschend sein, bewegen sich im Vergleich zu anderen Systemen aber noch in einem geringen Bereich. Hier ist die bereits kurz angerissene Alternative das 50mm F2 WR. Als ich nach Lieferung das 56er zum ersten Mal auf die Kamera gesetzt habe, damals noch die X-E2, war ich überrascht wie einerseits brillant die Linse war und wie andererseits wenig das Objektiv das Potential hatte, zum Immerdrauf zu werden. Und das einzig weil die Brennweite – gerade im Vergleich zu 35 oder 27mm – schon überraschend lang ist. Das Objektiv ist unfassbar wenn man im Studio oder unterwegs als bewusstes Projekt Menschen portraitiert – also eine Gewisse Ruhe und Fokussierung aller Beteiligten auf die Fotografie voraussetzen kann. Im Getümmel einer Familienfeier, Hochzeit oder generell bei dynamischen Situation mit wenig Platz ist es aber für mein Empfinden schon knapp zu lang. Für mich passt das 56er in diesem Kontext gut in mein jetziges Setup. Spontanität und Flexibilität erhalte ich mit dem XF 27mm, kompromisslose Qualität für Shootings durch das XF 56mm. Wenn ihr das Objektiv entsprechend für euch einordnen könnt, ist es eine hervorragende Wahl die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Abschließend noch ein paar, bereits aus dem Blog bekannte, Aufnahmen mit dem XF 56mm F1.2R.

 

 

 

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2 Antworten auf „Fujinon XF 56mm F1.2 R – Test & Erfahrungsbericht

  1. Ich finde es sehr gut, dass Fuji sich gar nicht erst auf billige Optiken im 100-150 Euro Format einlässt sondern durchweg eine hochwertige Linie fährt. Der Begriff „Einsteiger“ Kamera oder Einsteigerobjektiv suggeriert etwas, das niemand braucht. Alle Kameras mit manuellen Funktionen bedienen die gleichen Ansprüche (im Sinne technischer Möglichkeiten) und ich geben den Leuten mit auf den Weg, dass einmal teuer kaufen besser ist als Jahr für Jahr günstigere Sachen durch hochwertigere abzulösen. Klar, beim kleinen Budget steht außer Frage, dass da nicht mit dieser Haltung herangegangen werden kann aber wer sich ernsthaft mit Fotografie beschäftigt und ein Mindestmaß an Qualität erwartet, sollte auch dementsprechend investieren. In aller Regel hält so ein 500 oder 1000 Euro Objektiv viele Jahre und bietet neben der deutlich besseren Abbildungsleistung auch die bessere Haptik.

    Was die Fujinons anbelangt, die Du vorstellst, stimme ich zu. Die 56er Versionen sind anders, 2 Blenden lichtstärker zum 50mm f/2. Die APD Version ist keine ganze Blende lichtschwächer, ich denke 1/3 Blende sollte realistisch sein. Im Grunde müsstest Du dann auch das Freistellungspotential in KB umrechnen – das 56mm f/1.2 hat auf Kleinbild umgerechnet einen Bildausschnitt von 84mm mit einer Bildwirkung von f/1.8 – was das Freistellungspotential anbelangt. Daher schwören viele ja auf Kleinbild bei Portraits – wenngleich ich den Unterschied nicht sehen kann und Fuji genau deswegen die APD Version als Alternative auf den Mark brachte, um noch weicher zu abzubilden. Aber wo die Mathematik und Physik dominieren, geht viel Fotografie verloren und ich stimme Dir zu, die 56er APD Version ist zu teuer und eigentlich auch nicht wirklich nötig. Da hätte ein 56mm f/0.85 mehr Sinn gemacht, wenngleich der Preis dann exorbitant wäre, Größe und Gewicht noch deutlicher nach oben und ob man mit f/0.85 wirklich noch einen brauchbaren Schärfebereich findet (im Sinne der Praxistauglichkeit), wäre spekulativ gewesen.

    Immerhin gibt es diese Alternativen ja mit dem Mitakon 35mm f/0,95 – was dann umgerechnet etwa einem klassischen 50mm f/1.2 Objektiv entspricht. Oder das Handevision Ibelux 40mm f0.85 – 60mm mit ca. f/1.2 – diese extreme Weichheit bei Offenblende muss man allerdings auch lieben.

    Ich denke für Anfänger ist das 50mm f/2 durchaus eine lohnenswerte kleine Investition. Die Blende gibt einigen Spielraum zum Üben und wenn man damit umgehen kann und feiner arbeiten möchte, bleibt der Sprung zum großen Bruder.

    Danke für den Beitrag.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für den Kommentar und deine Einschätzung.
      Interessanter Aspekt mit den günstigen Festbrennweiten. Tatsächlich kommt der hervorragende Ruf der Fuji-Linsen entsprechend nicht von ungefähr.

      Gefällt 1 Person

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