Foto-Equipment – Das Prinzip der geschlossenen Kette

Wer kennt das nicht? Eine ultralichtstarke Linse oder die Retro-Zweitkamera. Wir sind nicht frei von Bedürfnissen. Es ist aber meiner Meinung nach nicht sinnvoll sein Equipment zu einseitig zu erweitern. Ein paar Anregungen für wirklich sinnvolle Anschaffungen findet ihr hier.

Man hat Lust zu Fotografieren, draußen zu sein, sich zu verwirklichen. Das sind wirklich tolle Dinge, die einem auch etwas geben können. In den folgenden Zeilen möchte ich euch aus meiner Sicht schildern, warum die geschlossene Kette und ein funktionierender Workflow wichtiger sein können, als die x-te neue Linse. Was meine ich eigentlich mit einer geschlossenen Kette? Für mich ist das die Übertragung der analogen Fotografie in die digitale Welt, also Bild machen, entwickeln und vergrößern. Einfacher: Kamera (inkl. Zubehör) –> Bildbearbeitungssoftware –> Farbechter Bildschirm –> Farbechter Drucker

Geschlossene_Kette (2)

Erstes Glied der Kette: Die Kamera

Zugegeben, Kameras und vor allem gute Objektive machen mir auch am meisten Spaß, auch wenn ich in ruhigen Momenten leicht in eine Recherchier-Lust verfalle, an deren Ende immer steht: Du brauchst Kamera X oder Objektiv Y, sonst kannst du alles vergessen. Was ich aber für mich über die Zeit rausgefunden habe ist, dass viele andere Dinge meine Fotografie viel eher verbessern, als eine neue Kamera. Wichtig ist es herauszufinden, was man wirklich braucht. Für mich ist das im Grunde ein Weitwinkel, eine lichtstarke Festbrennweite und (neuerdings) ein Telezoom. Meine Kamera ist eine Pentax K-5, also ein nicht gerade taufrisches Modell, ich verwende (meistens) ein 10-20 f/3,5 von Sigma, ein 31 f/1.8 von Pentax und ein 50-135 f/2.8 von Pentax. Das deckt erstmal alles ab. Klar, ist eine Pentax K-1 mit den entsprechenden Vollformat-Pendants reizvoll, aber bringt mich das weiter?

Geschlossene_Kette_Titel

Viel wichtiger ist:

  • Kenne dein Equipment: beschäftige dich mit Stärken und Schwächen deiner Technik und lerne!
  • Pflege dein Equipment: Reinige den Sensor, wenn mit der Zeit Staub drauf ist, halte deine Objektive sauber, mache regelmäßig Firmware-Updates, usw.

Und noch etwas: Das geeignete Zubehör kann viel mehr bringen. Ein Beispiel: Du bist mit deiner dicken Vollformat-Kamera in Island unterwegs und es geht ein starker Wind. ‚Kein Problem‘, denkst du dir, ‚ich habe ja für ein paar Euro schnell noch ein Stativ gekauft!‘ Das ist ein Trugschluss! Teil der Kette (zumindest im Landschafts- und Naturbereich) ist ein gutes Stativ, das fest steht und Schwingungen absorbiert. Oder der Sonnenuntergang, bei dem entweder die Lichter ausfressen oder die Tiefen absaufen? Gute Filter verbessern hier die Fotografie sehr! Auch ein geeigneter Fotorucksack oder die Tasche, die auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist, kann im Zweifelsfall das Bild beeinflussen, wenn ich schnell an das Equipment komme, schnell Objektive wechseln kann oder mein Stativ griffbereit habe.

Übrigens: Ich habe absolut nichts gegen Vollformat! Im Gegenteil, es reizt mich irgendwo auch. Ich äußere nur meine Bedenken, dass häufig im Netz alles auf die Sensorgröße reduziert wird, während so viele andere Faktoren und/oder Werkzeuge auch wichtig für ein gutes Bild sind.

Zweites Glied der Kette: Die Bildbearbeitungssoftware

Wenn man nicht ständig im JEPG-Format fotografiert, kommt schnell die Frage auf, wie die RAW-Dateien zu entwickeln sind. Hier ist auch etwas Recherche gefragt. Mit Adobe Lightroom hat man sicher eine gute Lösung, die einen erstmal dauerhaft zufriedenstellt. Letztlich  geht es darum, wie die Software mit den Farben des Kameraherstellers umgeht. Für die allermeisten Kameras gibt es aber Farbprofile, sodass heutzutage niemand mit den gängigen RAW-Entwicklern Adobe Lightroom, DXO Optics Pro, Phase One Capture One, etc. etwas zu meckern haben sollte. Ich setze seit langem auf Adobe Lightroom und bin sehr zufrieden, auch wenn ich für die Pentax K-5 im Netz länger nach Farbprofilen gesucht habe, die mir gefallen und selbst noch nachgebessert habe. Trotz Abo-Modell von Adobe werde ich wohl dabei bleiben.

  • Lade dir die Testversionen der gängigen Programme runter
  • Schaue Tutorials auf YouTube
  • Vergleiche in Ruhe, was der RAW-Entwickler mit den Farben deiner Kamera anstellt

Drittes Glied der Kette: Der richtige Bildschirm

Geschlossene_Kette_Bildschirm.jpg

Meiner Meinung anfangs auch fast wichtiger, als das Anschaffen eines umfangreichen Objektivparks ist ein Monitor, der die Farben so darstellt, wie sie von der Kamera aufgenommen wurden. Nur so kann ich richtig Bildbearbeitung machen. Was bringt mir auch hier wieder die Kamera-Objektiv Kombination, wenn ich Kontrast und Farben nicht vernünftig für meine Idee von dem Bild steuern kann? Natürlich ist es letztendlich eine Frage des Geldes, aber bevor ein sehr speziellen Objektiv gekauft werden soll, sollte man sich meiner Meinung nach fragen, ob die Kette an dieser Stelle noch nicht geschlossen ist und die Anschaffung zu keinem positiven Ergebnis führen würde.

  • Achte beim Kauf eines Monitors darauf, wie gut er sich für die Bildbearbeitung eignet
  • Wenn das Budget gerade knapp ist, kalibriere deinen Monitor z.B. mit einem Spyder Kalibrierungstool

Viertes Glied der Kette: Der richtige Drucker

Zugegeben, das können viele ausklammern, weil es genug Online-Druckereien gibt oder die Bilder nur für Web oder PC bestimmt sind. Ich habe mich dennoch entschieden, einen guten A3 Drucker zu kaufen, da man die Bilder gewissermaßen ins Leben holt, aus der digitalen Welt in unsere Welt befördert. Ich finde den Moment erhebend, wenn am Ende der langen Kette des Fotografierens und Bearbeitens das Bild vor einem liegt oder an der Wand hängt.

  • Ein Fotodrucker zeichnet sich u.a. durch eine besonders feine Darstellung der Farbabstufungen. Hier sollte meiner Meinung nach darauf geachtet werden, dass möglichst viele Grautöne bzw. Farben eine eigene Patrone haben. Es lohnt sich!
  • Pflege deinen Drucker: Drucke regelmäßig und mache ansonsten regelmäßig Düsentest und Druckkopfreinigungen. Nichts ist ärgerlicher als verklebte Düsen, wenn man sie braucht.

Das ist alles?

Nein!! Das wichtigste Glied in der geschlossenen Kette haben wir vergessen. Das sind nämlich wir. Es lohnt sich wirklich Zeit zu investieren, sich mit seinen Werkzeugen auseinanderzusetzen. Viel wichtiger ist es aber meiner Meinung nach Werke anderer (namenhafter) Fotografen zu studieren. Ich liebe es Bildbände von Ansel Adams oder Art Wolfe zu durchstöbern und die Bilder für mich zu analysieren. Es gibt natürlich auch jede Menge Tutorials im Internet, die zum Lernen helfen. Letztendlich geht es darum, draußen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn das Objektiv dann noch bis in die Ecken knackscharf abbildet, okay! Aber über das Gefallen des Bildes entscheiden  grundsätzlich andere Faktoren meiner Meinung nach eher.

Fazit

Ich bin der Meinung, dass der Workflow stimmen muss. Für mich heißt das, beim Drücken des Auslösers habe ich keinen Zweifel, was mit dem Bild passiert. Ich muss mir keine Gedanken machen, wie ich es bearbeite oder am Ende drucke. Ich finde es persönlich eher stressig, wenn man draußen Material sammelt, zu Hause aber vor einem Rätsel steht, weil der Workflow, also auch die persönlich Kette der Bildbearbeitung, nicht klar ist. Ich kenne mittlerweile einige (kleinere) Schwächen meines Equipments, daher überlege ich natürlich auch, an welchen Stellen sich ein Upgrade lohnt. Ich habe aber für mich einen Workflow gefunden, mit dem ich mich wohlfühle. Ich habe eine geschlossene Kette, bei der ich die Hard- und Software sehr gut kenne.

Steht der Unterbau? Ist alles vorhanden, was DEIN Foto ermöglicht? Fehlt es vielleicht an elementareren Dingen, als an einer neuen Kamera? Fragen, die man auf jeden Fall klären muss, bevor ein Emotionskauf ansteht.

AboutUs-2

von Sebastian

 

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