Lightroom und Fuji’s RAF

Zum ersten mal aufgefallen ist mir ein eigenartiges Verhalten nach dem Irland-Urlaub: Gerade in der 1:1-Ansicht von Lightroom wirkten die Bilder meiner X-E2 eher wie eine Pastellzeichnung als eine Fotografie. 

Andere Fotografen von Fuji haben das gleiche Problem, aber andere Begriffe dieses zu beschreiben: Waxing oder Worming, um nur zwei zu nennen. So sieht das ganze im Fall eines Fotos von den Cliffs of Moher aus: Achtet im speziellen auf die moosigen Bereiche, die den Effekt von Pinseltupfern anstatt fein gezeichneten Details verdeutlichen. Pastell

Als Ursache wird gemeinhin die besondere Anordnung der Sensoren bei Fuji-Kameras genannt – diese weichen nämlich vom sonst flächendeckend verwendeten Bayer-Sensor ab. Ganz richtig ist das allerdings nicht: Vielmehr ist der besondere Sensor die Erklärung dafür, dass der Converter von Lightroom – dessen Aufgabe es ist aus den Rohdaten ein zusammenhängendes Bild zu generieren – mit den speziellen Anforderungen nicht zurecht kommt.

Der entsprechende Nachweis ist vergleichsweise einfach zu führen und nachzuvollziehen: Lässt man die Kamera ein Foto gleichzeitig als RAW und JPEG abspeichern, also einmal von Lightroom und einmal von der Kamera selbst als Bild interpretieren, wird der Unterschied deutlich:

JPG_RAF

Es handelt sich bei beiden Bildern um die gleichen Einstellungen, um die identische Aufnahme. Trotzdem wird selbst in der verkleinerten Ansicht bereits deutlich, dass es einen gigantischen Unterschied gibt: Das linke Bild wirkt, als wäre nicht richtig fokussiert worden, das rechte hingegen ist knackig und scharf. Die qualitative Lücke ist eklatant; und durch Nachbearbeitung des RAW-Files nicht zu schließen.

Der erste Schritt auf dem Weg zur „persönlichen“ Lösung war der – ich hatte es schon vorweggenommen – nicht von Erfolg gekrönte Versuch, das RAF an die Qualität des JPEGs über das Editing heranzuführen. Hier war der Konsens der Internetgemeinde, dass bei geringer Schärfeeinstellung an sich mit hoher Detailrate gearbeitet werden sollte.

Details_LR

Das Ergebnis war zwar besser, aber weit entfernt von einer Lösung. Im speziellen unbefriedigend, wenn das potentiell mögliche in Form der JPEG-Datei geliefert wird. Ich habe rückblickend noch reichlich Zeit mit dem Versuch zugebracht, durch Einstellungen ein besseres Ergebnis zu erreichen – z.B. durch LR-Presets anderer Fotografen. Keine Einstellung stellte mich zufrieden.

Wenn also die Software das Problem ist, ist die Lösung nicht einfach der Wechsel der Software? Eine Möglichkeit ist hier Phase One, dass wohl sehr gut mit den Fuji-Dateien umgehen kann. Allerdings kostet die Anschaffung 1. über 300 € und 2. richtig viel Nerven. Denn einen ganzen Katalog zu migrieren ist nicht ohne weiteres Möglich: Beispielsweise Crop, Ausrichtung sowie Bereichskorrektur können nicht automatisiert übernommen werden. Das für 1000de Fotos nachzupflegen – gerade bei unterschiedlichen Bedienkonzepten: eine Strafarbeit.

Und doch war die prinzipielle Idee die letztendliche Lösung: Ein anderer RAW-Converter musste die Arbeit tun. Und vor dem Hintergrund der bekanten Probleme von Lightroom gibt es hier eine gute, günstige und einfache Lösung: Den Iridient-X-Transformer.

Irident_Transformer

Bei dem Tool handelt es sich um die Herauslösung des Raw-Convertes aus der eigentlichen Software Iridient Developer, einer vollständigen Lightroom-Alternative ausschließlich für Mac. Der alleinstehende Transformer liest RAF-Dateien ein und schreibt selbige als DNGs zurück, die Lightroom wiederum problemlos einlesen kann. Dabei können noch einige Einstellungen in der schmucklosen Software vorgenommen werden (Vorschärfen, Rauschreduzieren etc.), und schon schreibt das Programm stoisch die Dateien um. Wer sich auf die Suche nach den perfekten Einstellungen macht, sollte diesen Artikel als Ausgangspunkt nehmen.

Das Programm bietet dabei 4 entscheidende Vorteile:

  1. Es ist leicht in einen bestehenden Workflow zu integrieren: Bevor man in Lightroom importiert, einfach den Converter laufen lassen.
  2. Der gewünschte Effekt, ein Bild mit maximaler Schärfe, wird ohne Mehraufwand erreicht.
  3. Die Investitionskosten sind mit 30€ überschaubar, vor Allem im Vergleich zum Wechsel auf Phase One.
  4. Bestehende Bilder können ohne weiteres nachkonvertiert werden, da der Iridient Transformer die Modifikationsinformationen des bereits bearbeiteten Bildes ausliest und auf das DNG anwendet.

Nach meinem Kenntnisstand ist das Problem bei den X-Trans-Sensoren der 16MP-Kategorie stärker ausgeprägt als bei den neueren 24MP-Varianten. Nichts desto Trotz sollte jeder der in ein Fuji-Kamerasystem investiert hat und mit Lightroom editiert die zusätzlichen 30€ in die Hand nehmen und den Iridient Transformer in den eigenen Workflow integrieren. Alles andere ist verschenktes Potential.

AboutUs-3

Von Daniel

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3 Antworten auf „Lightroom und Fuji’s RAF

  1. Hi Daniel, ich bin heute auf eure Seite gestoßen und finde sie echt cool. Da ich auch mit Fuji (X-T20) fotografiere hat mich dieser Beitrag direkt interessiert. Leider sind deine Beispielbilder sehr klein und ehrlich gesagt kann ich in dieser Größe keinen Unterschied feststellen. Daher mein Verbesserungsvorschlag: Bilder in maximaler Größe bereitstellen. Gerade solche Vergleichsgeschichten sind ansonsten schwer zu vermitteln.
    VG Lucas

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    1. Hallo Lucas,
      Freut mich, dass es dir hier gefällt. Du hast Recht, die Bilder sind für das hier sinnvolle Pixel-Peeping leider zu klein. Eine leichte Verbesserung gibt es aber: Bild in neuem Tab öffnen, in der Adresszeile steht dann am Ende etwas wie …jpg?w=1024. Alles ab dem Fragezeichen löschen und man bekommt ein größeres Bild. Total doof, aber WordPress nutzt in Artikeln automatisch 1024px Breite bei Bildern.

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