Raw-Converter I: Lightroom und das Abo-Modell

Lightroom gibt es nicht mehr. Man darf mir vorwerfen, dass diese Aussage eine Spitzfindigkeit ist, aber das gekaufte, installierte, klassische Lightroom wird nicht weiter entwickelt: die finale Version ist Ende 2017 veröffentlicht worden. Was nun?


Als die Meldung von Adobe veröffentlicht wurde war ich – wie so viele – wenig begeistert. Die Gründe sind soweit klassisch:

  • Kosten: Das billigste Abomodell schlägt mit ca. 12€ pro Monat – jährlich kündbar – zu Buche, also 144€ p.a. Zwar bekommt man dafür Lightroom Classic CC, die Abo-gewordene Reinkarnation von Lightroom, Lightroom CC in der Cloud sowie Photoshop CC, andererseits liegt man preislich auch ungefähr beim Kaufpreis und deutlich über dem Upgrade-Preis von Lightroom.
  • Freiheit: Würde ich heute Lightroom den Rücken kehren würde ich in meiner neuen Software einen neuen Katalog öffnen, alte Fotos hätte ich immernoch in Lightroom zum Betrachten und Exportieren vorliegen. Kehrte ich der Abo-Version von Lightroom den Rücken, hätte ich keinen Zugriff auf meine entwickelten Raw-Daten mehr. Das würde bedeuten, den kompletten Katalog als JPG exportieren zu müssen oder in die neue Software zu migrieren. Beides nicht gerade toll.
  • Abhängigkeit: Ich glaube nicht immer an das Schlechte im Menschen, aber prinzipiell steht es Adobe jederzeit frei, seine Nutzungsbedingungen zu ändern. Während man bei Lightroom einmal diesen Bedingungen zugestimmt hat und unter diesen die Software verwendet, stimmt man bei jeder Nutzung von CC den neuen Bedingungen zu. Will man dies (bei einer Änderung) nicht mehr, ist man raus.

Der einzige Vorteil der mir einfällt ist folgender:

  • Bisher war die Entwicklung von Lightroom sehr schleppend. Entscheidende Features wurden immer nur mit neuen Versionen zur Verfügung gestellt, da man aus Adobes Sicht natürlich immer ein Paket schnüren musste, dass zum Upgrade animiert. Lightroom kommt durch das Abo-Modell, so die Hoffnung, mehr in einen kontinuierlichen Fluss. Die bisherige Erfahrung scheint dies zu bestätigen.

Was also tun? Die Thematik der Lightroom-Alternativen ist seit der Ankündigung von Adobe ganz groß in der Diskussion. Zum Beispiel bei F-Stoppers findet sich ein recht umfassender Bericht und Vergleich zu dem Thema.  Im folgenden werde ich mir sowohl Lightroom Classic CC als auch ein paar Alternativen ansehen und euch bei den ersten Schritten mitnehmen. Ziel ist dabei kein detailliertes Review der jeweiligen Software, vielmehr nehme ich euch mit bei meiner Entscheidungsfindung zugunsten einer Variante mit Beschreibung des jeweils ersten Kontaktes.

Die Installation

Ich war irritiert. Das klassische Lightroom hatte im Dezember noch ein finales Update erhalten. In der Creative Cloud Software von Adobe, dem Verwaltungsprogramm für die Installationen, wurde mir auch ein Update angezeigt, allerdings nur für Classic CC, also bereits die Cloud Variante. Mein klassisches Lightroom wurde schon garnicht mehr aufgeführt. Hier wird einem von Adobe die neue Version quasi untergejubelt – nun gut.

Wichtig ist während des Installationsprozesses in den erweiterten Einstellungen darauf zu achten, dass die alte Version nicht entfernt wird. Das war bei mir zwar so eingestellt, scheint aber bei anderen Nutzern auch schon einmal anders gewesen zu sein.

Generell empfiehlt es sich auch ein Backup des / der Katalog(e) zu machen, da CC nicht abwärts kompatibel ist. Lightroom erstellt aber eigentlich automatisch eine neue Kopie des alten Katalogs.

Im folgenden werde ich das neue Lightroom als CC, das alte als Classic bezeichnen.

Der erste Start

6 Tage Restzeit für den Test wird mir beim ersten Start vermeldet. Nicht gerade viel – Capture One beispielsweise steht ab Installation einen Monat zur Verfügung. Zuerst müssen die Kataloge aktualisiert werden. Das geht vergleichsweise schnell und einfach, leider kann man den Namen des neuen Katalogs nicht frei wählen, so dass mein Hauptkatalog nun LR4-2-2 heißt; sehr griffig.

Overview

Gefühlt ist CC erstmal schneller. Im Vergleich ist das Programm nach 10 Sekunden „da“, also komplett geladen und einsatzbereit; 5 Sekunden schneller als Classic. Insgesamt, beispielsweise beim Wechseln zwischen Fotos oder Modulen, wirkt CC reaktiver. Auffällig ist unter Anderem, dass Classic immer erst eine Standard-Vorschau anzeigt, die dann noch aktualisert werden musste – besonders auffällig durch ein plötzlich umspringen der Farben auf das eingebettete Fuji-Profil. In CC scheint das Bild unmittelbar vorzuliegen.

Insgesamt habe ich das Gefühl, das CC etwas Apple-Esquer geworden ist: Das Bild muss beim Reinzoomen immernoch nachladen, allerdings hat man dieses nun geschickter und asynchron gelöst, sodass das Programm in dieser Zeit nicht „bockt“ sondern flüssig weiter reagiert. Zwar ist die eigentliche Geschwindigkeit dadurch nicht besser, aber das Arbeitsgefühl viel angenehmer.

Unter der Haube scheint sich aber doch etwas handfestes getan zu haben, so die einhellige Meinung der Community. Gut nachvollziehen lässt sich das bei Vorgaben. Hier werden auf einen Schlag viele Modifikationen an einem Bild vorgenommen. Die Änderungen springen sofort auf das Bild über, also endlich bessere Leistung: Schön!

Der „Test“

Der extra aufgefüllte Kaffee-Becher kühlt langsam aus. Ich klicke etwas ratlos in unterschiedlichen Reitern und Modulen umher. Natürlich ist CC kein neues Programm, viel mehr die oben angesprochene Evolution. Aber der große Schritt ins Abo-Modell hätte für meinen Geschmack versüßt werden können und müssen. Es gibt sie, die kleinen Änderungen die in Ihrer Auswirkung – zugegeben – eine gewisse Macht entwickeln: Ein verbessertes Maskieren macht gerade den Gradient-Filter um ein vielfaches besser. Das entfernen von Dunst kann Landschaftsbilder im Zweifelsfall sogar retten. Und auch eine neue Prozessversion – nach 2012 vielleicht auch mal nötig, wenn auch nicht so offensichtlich besser als der Wechsel von 2 auf 3 damals – ist eine gute Sache. Was sich mit der neuen Prozessversion nicht geändert hat, ist die Importproblematik (zumindest älterer 16MP) RAF-Dateien.

RAF_DNG

Viel mehr bleibt dem geneigten Nutzer nicht zu erzählen. So weit so bekannt präsentiert sich die neue Version von Lightroom. Erwartbar, aber irgendwie eine Enttäuschung.

An dieser Stelle muss das positive natürlich trotzdem hervorgehoben werden, denn Lightroom war und ist keine schlechte Software. Die Bibliotheks-Verwaltung geht, das wird der Vergleich noch zeigen, deutlich über die Fähigkeiten anderer Porgramme hinaus. Allein die Funktion der Gesichtserkennung habe ich lieben gelernt. Auch funktioniert das Programm einfach gut. Ich habe noch keine Abstürze erlebt, „alle“ Funktionen die man sich zur Raw-Entwicklung wünscht sind vorhanden. Und mit Slide-Show, Kartenmodul und Web-Export auch noch einiges darüber hinaus.

Meinung

Betrachtet man das Antesten der neuen Lightroom-Abo-Variante steht im Fokus kaum der Test einer Software, viel mehr treibt mich die Frage um, ob ich den Schritt – mit all seinen Nachteilen – überhaupt gehen möchte. Und das finde ich gerade einen schwierigen Schritt: Die Nachteile sind benannt und bekannt, einen Mehrwert im Sinne des Upgrade-Gedankens sehe ich für den Moment von Classic auf CC noch nicht. Je größer die Spanne zwischen der letzten Stand-Alone Variante und der weiterentwickelten CC Variante wird, desto größer wird dieser Mehrwert natürlich. Bis dahin gibt es aber – gerade mit einer älteren Kamera wie der X-E2 und auch den jetzt aktuellen Geräten wie der X-T2 – keinen Grund überstürzt zu wechseln.

Und wer weiss? Vielleicht ist ja die für Anfang 2018 angekündigte Bibliotheks-Erweiterung von Luminar der Schritt in die richtige Richtung? Ich lasse es euch wissen.

 

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