Fujinon XF 60mm F2.4 R Macro – Test & Erfahrungsbericht

Das 60mm F2.4 war die letzten Tage und Wochen Teil des temporären Linsensortiments bei RausKlickBoom. Wir haben die Ausleihe von einem befreundeten Fotografen genutzt, dass kurze Macro-Objektiv von Fuji mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Starten wir – wie gewohnt – mit den Äußerlichkeiten. Das Objektiv ist insgesamt recht kompakt, 215 Gramm bei ca. 6x6cm (Durchmesser zu Länge) Volumen. Im Vergleich zum 56mm – und mir ist Bewusst, dass der Vergleich hinkt – 200 Gramm leichter und je 1cm kleiner; das Objektiv ist also eher auf der kompakten Seite zu finden. Dabei entsprechen Qualität und Design den Erwartungen an ein Fuji-Objektiv. Der metallene Körper mit Autofokus- und Blendenring geben der Linse eine wertige Haptik. Ca. 650€ müssen für eine neuwertige Optik bezahlt werden, gebraucht kann man problemlos unter 400€ fündig werden.

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Vergleich 56mm (links) und 60mm (rechts)

Die technischen Spezifikationen hat der versierte Leser bereits dem Namen entnommen. 60mm Brennweite, maximale Blendenöffnung von 2.4 (bis zu den üblichen F22) mit der Möglichkeit besonders nah zu fokussieren. Hier kommt man zu einem Abbildungs-Verhältnis von 1:2. Ein ca. 5cm großes Objekt füllt den APS-C-Sensor also in der Breite aus. Diskussionen im Internet gehen hier der Frage nach, ob der Begriff Macro überhaupt schon gerechtfertigt ist. Zugegeben kommt man damit nicht in den makroskopischen Bereich, der z.B. bei der Fotografie von (kleinen) Insekten benötigt wird. Die Einschränkung gilt aber wirklich nur für eher spezielle Anforderungen. Blüten, Tiere, Detailaufnahmen und natürlich die großformatigen Anforderungen wie Food-Fotografie sind problemlos möglich.

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Was an dem Objektiv zusätzlich reizvoll ist, ist die Idee der eierlegenden Wollmillchsau. Die Brennweite ist extrem nah an dem hervorragenden 56mm, also durchaus attraktiv für Portraits, die Blendenöffnung mit 2.4 akzeptabel lichtstark und die Dimensionen deutlich näher am 50mm WR als an dem Topf von 56mm. Ich selbst hatte (auch bei anderen Kamerasystemen) schon überlegt, ob eine Makro-Variante im ähnlichen Brennweitenbereich nicht mehr Objektiv fürs Geld liefern könnte. Hierauf möchte ich im Rahmen dieses Tests ebenfalls eingehen.

Entscheidend für die Bewertung eines Objektivs ist natürlich die Bildqualität. Diese ist beim 60mm – kurz gesagt – hervorragend.

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Man beachte die Riefen auf dem im schmalen Fokus liegenden Zahnrad. Zugegebener Weise wird hier und dort bemängelt, dass das Objektiv als eines der ältesten im Fuji-Line-Up mittlerweile nicht mehr mit den Besten mithalten kann – Stichwort 35 und 56mm. Zwar würde ich die Überlegenheit des 56er bestätigen, das macht die Qualität der Makro-Linse aber nicht schlecht.

Bereits bei offener Blende von 2.4 ist die Schärfe in Ordnung, Abgeblendet in den Bereich um 10 hervorragend, bei extremer Blende von 22 den Regeln der Physik folgend mehr schlecht als recht.

 

Die Farben sind dabei hervorragend und auch bei den sonstigen Parametern – Verzeichnung, chromatische Aberration etc. – spielt die Linse stark auf.

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Der Autofokus dürfte den Anforderungen der Makro-Fotografie genügen, ist gerade im Vergleich zu Linsen außerhalb des Makro-Bereiches aber erwartbar langsam. Dies liegt zum einen an dem gigantischen, abzudeckenden Fokus-Bereich, zum anderen auch an den hohen Ansprüchen an die Präzision statt an die Geschwindigkeit. Ich hatte einige Aufnahmen bei denen der Fokus komplett falsch lag, während die Kamera diesen als gut bewertete. Manchmal war das umfokussieren aus den Extrembereichen (Normal auf Makro und umgekehrt) nicht möglich gewesen. Kritik, dass im Nahbereich gar nicht fokussiert werden könnte, kann ich nicht bestätigen. Häufig hat es schon geholfen die Linse in die ungefähr richtige Region zu justieren, den Rest hat dann wieder die Automatik übernehmen können. Diese Fehler waren Einzelfälle und es ist positiv hervorzuheben, dass der Fokus sonst wirklich auf den Punkt sitzt. Gerade beim Fotografieren im absoluten Nahbereich mit Blende 2.4 extrem wichtig. Somit bleibt der Fokus in Summe zufriedenstellend. Ein Detail: Im Makro-Bereich fährt ein schmaler Tubus mit dem Frontelement bis zu 2cm aus dem eigentlichen Objektiv aus. Das beeinflusst nicht nur den Fokus, sondern auch die Bildwirkung: Es wird in begrenztem Umfang noch einmal gezoomt. Das kann beim Kombinieren von Bildern (Focus-Stacking) zu Problemen führen. In dem beweglichen Frontelement liegt wohl auch der Grund für die massige Gegenlichtblende.

Insgesamt bedient der Autofokus genau den Anspruch des Objektivs, nämlich Makros zu fotografieren. Für eine Allrounder-Linse mit interessanter Brennweite im Portrait-Bereich muss man allerdings Einschnitte hinnehmen. Der Fokus ist doch deutlich langsamer als die hausinterne Konkurrenz und baut meiner subjektiven Meinung nach bei schlechteren Lichtverhältnissen auch noch mal stärker ab als bei Vergleichsobjektiven. Für gemächlichere Szenen bei guter Beleuchtung aber durchaus ausreichend.

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Hausintern gibt es von Fuji noch ein weiteres Objektiv mit dem Zusatztitel Macro im Namen, das 80mm Pendant. Dieses hat ohne Diskussion den Titel Macro verdient: Die Vergrößerung liegt bei 1:1, die Naheinstellgrenze bei für die Brennweite winzigen 25cm. Aber das Objektiv richtet sich an eine andere Zielgruppe: 1300€ muss man bezahlen, die Größe liegt mit 13cm in der Länge und über 700g Gewicht auch in einer anderen Größenordnung. Hier wird ganz klar der kompromisslose Fachmann angesprochen.

Insgesamt ist das Fujinon XF 60mm F2.4 R Macro ein spannendes Objektiv: Es eröffnet günstig die Welt der Makrofotografie, allerdings ohne sie vollständig zu erschließen. Weiterhin ist die Brennweite auch für Anwendungen wie die Portraitfotografie in einem interessanten Bereich. Ebenfalls auf der Haben-Seite: Gewicht und Preis. Allerdings ist die Linse auch ein Kompromiss: Die Bildqualität ist ein wenig unter dem Maximum der Fuji-Linsen, das Abbildungsverhältnis nicht für alle Anforderungen ausreichend und der Fokus für Anwendungen außerhalb der Makro-Fotografie etwas träge. Zusammenfassend bleibt ein Objektiv das – gerade zum Gebrauchtpreis – ein hervorragender Einstieg in die Welt der Makrofotografie ist mit dem Brennweiten-Bonus als Allrounder mit Portrait-Qualitäten. Für den ambitioniert bis professionellen Fotografen werden 56 und 80mm die Kombination der Wahl sein. Zum schnuppern und einstigen sind 60mm das nicht nur preislich attraktive Gebot der Stunde.

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Eine Antwort auf „Fujinon XF 60mm F2.4 R Macro – Test & Erfahrungsbericht

  1. Hat eigentlich zu Unrecht dieses Nischendasein. Hatte ich auch Mal und war sehr zufrieden damit. Der Preis im Gebrauchtsektor ist ebenfalls sehr interessant geworden. Für Makro und auch Portraits sehr gut geeignet! Da reicht der etwas behäbige AF vollkommen aus!

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