Das FUJINON XF10-24mm F4 R OIS im Praxis-Text & Hands On

Auch wenn dieser Blog der Fotografie im Allgemeinen und nicht nur einem Themenbereich innerhalb der Fotografie zugetan ist, nehmen Reiseberichte und entsprechend auch die Landschaftsfotografie doch einen immensen Teil unserer Themenpalette ein. Deswegen war ich selbst überrascht, dass das Fujinon XF 10-24mm bisher noch nicht von uns getestet wurde. Das möchte ich an dieser Stelle nun nachholen.

Natürlich gilt die Test-Prämisse von RausKlickBoom.de: MTF-Charts und Laborbilder bekommt ihr bei den großen Magazinen. Wir berichten aus Praxis und Erfahrung.

Das Fujinon XF 10-24mm F4 R OIS – so der vollständige und offizielle Name – ist seit langem das einzig (reine) Weitwinkel-Zoom im Linsen Line-Up von Fujifilm. Das Objektiv liegt laut UVP bei rund 1000€, neu bekommt man das Glas häufig auch 100 bis 200€ günstiger, gebraucht kann man unter 700€ fündig werden. Interessanter Nebenaspekt: In absehbarer Zeit wird Fujifilm das 8-16mm F2.8 veröffentlichen, auf das ich in diesem Artikel hin und wieder Bezug nehmen werde.

Haptik

Um es ganz kurz zu machen: Es ist eine XF-Linse. Das Objektiv liegt auf einer Linie mit der Bauqualität (meines Wissens nach) aller XF-Objektive: Der Metalltubus vermittelt Robustheit und Wertigkeit, die Einstellringe – Blende (unmarkiert / unendlich), Fokus und Zoom (gummiert) – fühlen sich gut an. Dabei ist der Widerstand des Zoom-Ringes zwar nicht unangenehm, für mein Empfinden aber etwas hoch. Die Kamera muss zwar nur leicht, aber doch aktiv gegen die Drehbewegung gehalten werden. Dies macht zwar durchaus Sinn, da es ohne versehentliches Verstellen möglich ist das Objektiv am Ring selbst zu halten und zu stabilisieren, trotzdem ist es mir beim ersten Testen direkt als ungewöhnlich aufgefallen.

FUJINON XF10-24mm F4 R OIS

Zusätzlich gibt es am Objektiv noch 2 Schalter, die Blendenautomatik und Bildstabilisator zugeordnet sind. Diese sind klein, aber gut bedienbar und fühlen sich robust an.

Im Kontext von Fujinon-Linsen ist das Objektiv sowohl groß als auch schwer. 72mm Filterdurchmesser und 78mm äußerer Radius, eine Tiefe von 87mm und ein Gewicht von 410g stehen zu Buche. Damit muss das Fuji den Vergleich mit der „baugleichen“ Konkurrenz auf APS-C nicht scheuen, Full Frame (Blickwinkel equivalent zu 15-36mm) ist ganz logisch noch eine Ecke größer und schwerer. Trotz allem ist das Objektiv – gerade auf den kleineren Kameras der X-Serie wie der E2/3 – kopflastig.

Konzeption

Ultraweitewinkel (UWW) haben einen breiten Einsatzbereich. In der Landschaftsfotografie, aber auch bei Architektur-, Street-, oder Event-Fotografie (z.B. Gruppenbilder) ist diese Art Linse ein wichtiger Begleiter. Während alle UWW-Linsen natürlich in allen Bereich einsetzbar sind, scheint mir diese Linse einen recht klaren Fokus auf die Landschaftsfotografie, vielleicht sogar eher noch Outdoor-Fotografie zu haben. Große Blendenöffnungen sind hier nicht so relevant wie in Innenräumen und bei Schüssen aus der Hüfte, die kleine Blende spart Größe und Gewicht und ist somit prädestiniert für Touren und Wanderungen – in Natur oder Stadt. Kleine Referenz zum zukünftigen 8-16: Unter anderem durch die deutlich größere Blende von 2.8 liegt das Gewicht mit ca. 800g fast um den Faktor 2 über dem 10-24. Der Preis übrigens auch.

Berücksichtigt man den Einsatzbereich der Linse ist es umso eigenartiger – gerade da das Zoomen ohne Bewegung äußerer Elemente von Statten geht – das eine Wetterabdichtung fehlt. Die führenden Kameras der X-Serie bieten genau das an und dem Objektiv hätte es ohne Zweifel gut getan und das Profil geschärft. Denn auch wenn man nicht unbedingt bei Regen fotografieren möchte hilft der Schutz natürlich auch gegen Sand und Dreck. Trotzdem positiver Nebeneffekt des Linsenaufbaus: Filter verbleiben auch bei Zoomvorgängen in ihrer vorgesehenen Position.

FUJINON XF10-24mm F4 R OIS

Das Objektiv steht vor der Kaufentscheidung natürlich in Konkurrenz zu den Festbrennweiten aus gleichem Hause: 14mm F2.8, 16mm F1.4, 18mm F2, 23mm F1.4 / F2 und eingeschränkt 27mm F2.8.

Zoom oder Prime? Flexibilität oder Bildqualität?

Ganz persönlich: Ich habe mich und würde mich für die Landschaftsfotografie wieder für die Flexibilität der Zoom-Linse entscheiden. Der Grund liegt zum einen in dem immensen Unterschied schon geringer Brennweitenänderungen im Weitwinkelbereich: Der Unterschied zwischen 14 und 10mm ist gigantisch. Hier ein Vergleich der beiden zuvor genannten Brennweiten:

Aktuell und auch in Zukunft sind die Zoom-Objektive auch das weiteste, was es an Fujinon-Linsen gibt.

Um mit Festbrennweiten annähernd  flexibel zu sein, bräuchte es meines Erachtens drei Stück, zumindest aber das 14mm und 23mm. Und das kostet und wiegt (letzteres zumindest mal gleich viel). Weiterhin ist es gerade in der Landschaftsfotografie häufig nicht möglich den Standort derart zu verändern, dass man einer „falschen“ Brennweite gerecht wird. Erreiche ich einen Aussichtspunkt, kann ich weder näher ran noch viel weiter weg. Hier lässt sich z.B. durch ein Panorama – das dann wieder gecropped wird – Abhilfe schaffen, letztendlich wähle ich den direkten Weg: Zoom.

Ring of Beara Healy Pass

Wer einmal den Vergleich zwischen Prime und Zoom bezüglich Bildqualität ziehen will, kann das mit diesem hervorragenden (englischsprachigen) Blog-Beitrag tun: https://www.fujivsfuji.com/10-24mm-f4-vs-primes/

Wirklich überraschend sind die Ergebnisse natürlich nicht: Ich ziehe für mich aus diesem Artikel einen klaren Vorteil der Festbrennweiten in der Randschärfe und maximalen (sprich: stark reduzierten) Verzerrung in den Ecken bei durchaus vergleichbarer Performance im Mittelbereich. Es ist wenig überraschend: Kompromisslose Bildqualität gibt es bei den Primes, allerdings auf Kosten einiger Kompromisse für den Anwender. Hier entscheidet der Fotograf nach Prioritäten und Vorlieben.

Einsatz / Erfahrung

Ich habe es bereits durchscheinen lassen: Das XF 10-24mm ist für mich eine Linse zum Unterwegs sein und Landschaft / Szenerie fotografieren. Insbesondere auf Reisen kommt sie zum Einsatz, sei es in engen Gassen oder unendlichen Landschaften.

Beginnen wir mit dem zentralen Thema einer jeden Linse: die Abbildungsleistung des Objektives lässt keine Wünsche offen – und auch die Labortests großer Magazine bestätigen dies eigentlich ausnahmslos. Farben und Schärfe passen einfach und müssen sich hinter keinem Konkurrenzprodukt verstecken. Da darf der Fanboy behaupten: Fujinon XF eben. Aber auch ganz ohne die Fuji-Brille fällt auf: das Objektiv wird häufig markenübergreifend als einsamer Spitzenreiter in Sachen UWW-Zoom gelobt. Ich selbst kann dies aus meiner Zeit mit der Linse nur bestätigen: das gesammelte Licht für den Sensor bedient höchste Ansprüche.

DSCF8296

Natürlich gilt wie bei allen Ultra-Weitwinkel-Linsen: Abblenden und entsprechend frühzeitig das Stativ auspacken. Gerade die absoluten Randbereiche profitieren von Blenden von f8 und mehr immens. Da haben die Festbrennweiten bekannter Maßen die Nase vorn. Hier der Vergleich von F4 zu F9 am Rand eines Beispielbildes.

F4F9

Der Bildstabilisator kommt bei mir übrigens kaum zum Einsatz. Das mag an meinem Einsatzbereich liegen, aber dieses Feature würde ich sofort gegen Wetter-Versiegelung tauschen. Letztendlich sind die Ergebnisse zwar solide, aber 1/30s oder weniger würde ich trotzdem nicht aus der Hand fotografieren.

Der Autofokus geht mehr als in Ordnung. Er findet faktisch immer präzise seinen Endpunkt und ist auch bei Straßenszenen eigentlich ausreichend schnell. Im Weitwinkelbereich ist die Autofokus-Geschwindigkeit und Präzision aber generell selten ein Problem. Ich hatte es bereits angemerkt: Für ein Event würde ich trotzdem selbst das deutlich billigere XF 27mm F2.8 bevorzugen. Das 10-24mm wurde einfach nicht für die Tanzfläche einer Hochzeit gebaut.

Cliffs of Moher

Ein weiterer Nachteil von F4: Das Objektiv ist für die Astrofotografie auch weit offen schon am Limit, für Fotografen mit ihrem Hauptaugenmerk auf diesem Thema eigentlich schon darüber hinaus. Für meine letztendliche Bewertung ist das zwar irrelevant, jeder Interessent sollte sich darüber jedoch im Klaren sein.

Kaufen oder nicht?

Die Frage, ob man diese Linse kaufen möchte, hängt nicht von der Leistung der Linse ab: diese ist über jeden Zweifel erhaben. Solide gebaut, annehmbar dimensioniert, hervorragende Qualität. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist die fehlende Abdichtung. Hat man also Interesse am Ultra-Weitwinkel-Bereich stellt sich für den Fuji-Fotografen nur noch die Frage nach Zoom oder Festbrennweite. Warum ich zur Zoom-Linse gegriffen habe, hatte ich bereits erklärt. Für alle in der Findungsphase kann ich nur einen Test empfehlen, leichteste Variante: Das 10-24mm im Fotoladen mal aufschrauben und sich dann auf die Brennweiten der Primes limitieren. Passt das für euch, euer Portemonnaie und eure Art im Gelände zu arbeiten? Perfekt, ihr bekommt ein Plus an Bildqualität. Meins ist es nicht, und deswegen ist das 10-24mm die für mich eine hervorragende Landschafts-Linse.

 

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Eine Antwort auf „Das FUJINON XF10-24mm F4 R OIS im Praxis-Text & Hands On

  1. Hi. Ich kann Deine Review vollends unterschreiben. Die Dramatik um die Wettertauglichkeit ist nicht ganz von der Hand zu weisen, meines hat aber schon 2 Jahre alle Eskapaden überstanden. Das 14er und 23er 1.4 sind ebenfalls nicht WR. Mein 16er 1.4 ist hier die Alternative aber wie Du schon schreibst, 10mm 14mm und 16mm sind Welten. Für Nachtaufnahmen nehme ich das 16er oder sogar 23er. Für mehr Weitwinkel braucht es dann entweder das 12mm Samyang oder Zeiss oder eben das 8-16mm 2.8, hier sollte man aber Preis Gewicht in Relation zur Einsatzhäufigkeit setzen.

    Hinzuzufügen wäre noch das am oberen Ende des Zooms die Leistung etwas deutlicher abfällt und von sehr gut auf gut sinkt. Mir hätte es als 10-15mm vollkommen gereicht, da dann mit 16, 23 ja die moderaten Weitwinkelfestbrennweiten folgen mit eben deutlich größerer Lichtstärke. Das 14er habe ich verkauft, diese Brennweite liegt mir irgendwie nicht.

    Viele Grüße

    Daniel

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