Farbkalibrierung – Miniserie 1/3

Blau ist blau. So weit, so falsch. Interpretiert man Farben als etwas anderes als ihre reine Wellenlänge, wird es subjektiv und kompliziert – und für Fotograf/innen und ihre Fotografien wichtig.


Denn: Ausnahmslos jedes „visuell aktive“ Element des fotografischen Prozesses verändert die Realität, zumindest wenn wir von einer neutralen Farbabbildung ausgehen:

Der Sensor unserer Kamera als erstes Glied der Kette: „Canon Color Science“, „Fuji Filmsimulationen“ – Namen für die markenspezifische Interpretation von Farben. Und auch Hersteller, die ihre Farben nicht benennen interpretieren sie gleichermaßen. Am PC wandeln Grafikkarten die Bildmatrix in ein Signal an den Monitor um; mit eigenem Farbprofil. Die Softwareseite Farbveränderung – die Konvertierung von Sensor-Matrix in RGB oder das Farbmanagement der Software – ist dabei noch außen vor. Bekannter maßen zuletzt der Monitor, der als erstes Visualisierungsmedium die Aufnahme an unser Auge zurück sendet. Diese sind werksfrisch für gewöhnlich zu hell und im weißen Bereich zu kalt – das wirkt auf das menschliche Auge brilliant. Deswegen scheint das Licht von Fernsehern auch immer blau aus den Wohnzimmerfenstern. Und der Drucker wandelt unser Ausgangsfoto noch von 3 additiven Kanälen in 4 substraktive um. Kurz: Farbe ist nicht gleich Farbe.

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Ob Rot und Blau dieses Bildes auf euren Bildschirmen aussieht, wie auf meinem?

Wir alle kennen die Auswirkung dieser Kette: Das brilliante Foto unseres Monitors wirkt ausgedruckt auf einmal matt, die Farben sind auf dem Fernseher dafür übersättigt und die perfekt belichtete Aufnahme vom Display unserer Kamera auf dem heimischen PC plötzlich zu dunkel. Die Geräte sind nicht aufeinander abgestimmt und die Wahrheit stellt höchstwahrscheinlich – zumindest ohne persönlichen Einsatz – keines dar.

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Zu allem Überfluss gilt das für unsere Augen nicht minder. Lassen wir die philosophische Frage ob Menschen überhaupt die gleichen Farben sehen (Brainfuck) aussen vor: Unser sehen findet immer in einem Kontext statt. Beispiele gibt es viele, hier ein einfacher Selbstversuch: man nehme seinen Bildschirm und verstelle die Farbtemperatur um einen Schritt (500k) in Richtung kühl: Das weiß wirkt blau. Am Anfang. Nach ein paar Minuten ist das weiß wieder einfach weiß. Geht man zurück auf die vorherige Einstellung hat das weiß auf einmal einen Rotstich. Aber nur bevor wir es wieder neutral wahrnehmen. Anderes Experiment: Den Bildschirm – v.a. schwarze und weiße Bereiche – im dunklen und im hellen Zimmer betrachten. Oder die Farbtemperatur mit unterschiedlichen externen Lichtquellen (Glühbirne vs. LED) einschätzen. Immer ändert sich das Bild, dass wir warnehmen. Mal durch Einstellungen an den Geräten, mal durch unser Umfeld, mal durch unsere Augen.

Dieser Wust aus Faktoren wird dann zum Problem, wenn man zwischen Geräten wechselt: Drucken, im Internet veröffentlichen, auf dem Fernseher Freunden zeigen. Jedes Mal bekommt man ein (minimal bis eklatant) anderes Bild – Und das Problem wird bei bewusst nicht neutralen Editierungen (z.B. High- oder Low-Key) noch verstärkt.

Ein Monitorprofil in DisplayCal

Genau hier bin ich in das Thema eingestiegen: um den eigenen Fotos eine persönliche Handschrift zu verleihen habe ich ein bescheidenes Preset für Lightroom entwickelt: Leichte Beschneidung des schwarzen Bereiches, Teiltonung warm in den Highlights, kühl in den Schatten. Das Ergebnis war ein leicht analoges Flair auf Bildschirm A. Bildschirm B zeigte bei gleichem Foto eine Vorlage zur Inseznierung der Zombie-Apokalypse: fahl mit ins graue abrutschenden Hauttönen. Preset angepasst, auf Bildschirm A verschoben und die Welt wurde zu Willi Wonkas quietschbunter Schokoladenfabrik.  Und die „Wahrheit“? Wahrscheinlich auf keinem der Monitore abgebildet und mit bloßem Auge auch nicht zu erkennen.

Nun gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten mit der Thematik umzugehen: Ignorieren, „Softproof“ auf ein Zielgerät, Kalibrieren – die Themen für unseren nächsten Artikel.


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