Party-Foto Tutorial – Richtig Blitzen

Menschen in schlechtem Licht fotografieren: eine Aufgabe die Fotografen deutlich häufiger beschäftigt als man im ersten Moment denkt. Alles in Innenräumen, Familienfeste, Partys, in Kneipen oder Büros: immer wieder besteht die Aufgabe bei schlechtem oder unzureichendem Licht gute Fotos zu machen. Unser kleiner Einstieg hilft euch dabei.


Das technische Problem von Innenraum-Fotos im weitesten Sinne ist schnell erklärt: Wenig Licht und zu schnelle Bewegungen – vom Fotografierten oder auch, Stichwort Verwackeln, Fotografierenden. Je weniger Licht für unsere Kamera verfügbar ist, umso länger muss sie eine Szene belichten um Licht über Zeit zu sammeln. Je länger die Belichtungszeit aber ist, desto mehr verwischen – gerade schnelle – Bewegungen, wie sie – bleiben wir bei Partyfotos – beim Tanzen eben üblich sind.

Die leichteste Variante hiermit umzugehen ist die Nutzung eines Blitzes. Aber wir kennen alle diese „schmeichelhaften“ Fotos, die uns die Automatik unserer Kamera mit eingebauten Blitz liefert: Ein nahezu schwarzer Hintergrund, fast schon überbelichtete Personen im Vordergrund, glänzende Haut und von der stimmungsvollen Beleuchtung keine Spur mehr. Das Bild wurde – wie es so schön heißt – tot geblitzt.

Unser Ziel: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Hintergrund und Vordergrund, natürliche Beleuchtung und somit auch Hauttöne sowie ausreichend Raum für die Umgebungsbeleuchtung des Raumes.

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Hierzu braucht es eine Kamera, deren Parameter (ISO, Verschlusszeit und Blende) manuell eingestellt werden können, was für alle Spiegelreflex- und Systemkameras sowie eine gewisse Zahl Kompaktkameras gilt. Natürlich brauchen wir einen Blitz – idealer Weise, aber nicht zwingend, einen Aufsteckblitz. Diese haben den Vorteil dass sie gedreht und gekippt werden können um durch Bouncen (= Reflexion von Wand oder Decke) eine indirekte Beleuchtung herzustellen. Und zuletzt muss man natürlich ein Objektiv an der Kamera sein. Hier empfehle ich ein eher weitwinkeliges Objektiv um 35mm um gleichzeitig den wenigen Platz auf der Tanzfläche ausnutzen zu können und andererseits noch eine natürliche Bildwirkung erzielen zu können. Weiterhin hilft euch ein Objektiv mit einer möglichst großen Blendenöffnung. Es braucht nicht das teure Profiequipment mit F1.2 sein – alles um F2 wird euch gute Ergebnisse liefern. Ich selber liebe das XF 27mm F2.8 für diesen Anlass. Solltet ihr noch oder ab sofort auf der Suche nach Blitzen sein: Yongnuo bietet euch einen günstigen Einstieg für viele Hersteller (Hier unser Test für Fujifilm X).

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Kommen wir zu den Einstellungen an der Kamera. Zuerst erklären wir die Parameter, im weiteren Verlauf des Artikels erhaltet ihr noch eine Schritt für Schritt Anleitung diese vor Ort richtig einzustellen.

Der einfachste Parameter ist die Blende. Eine große Blendenöffnung (und somit kleine Blendenzahl) verbessert für unsere Aufnahme die Lichtausbeute. An der Kamera ist es die Blende, die die Helligkeit des Blitzes bestimmt, denn die Verschlusszeit ist länger als der Blitz zum auslösen benötigt. Somit ist die von der Kamera genutzte Lichtmenge des Blitzes bei einer Verschlusszeit von 1/10s identisch zu der von einer 1/100s. Die Blende hingegen ist die Öffnung, durch die das Licht fällt. Kleine Blende = weniger Licht des Blitzes auf dem Sensor. Nutzt also neben der Ausgabeleistung des Blitzes die Blende zur Helligkeitskorrektur. Aber Vorsicht: Je größer die Blendenöffnung, desto kleiner der scharf abgebildete Bereich. Aus diesem Grund empfehle ich als Kompromiss eine Blende im 2er Bereich, also zwischen F2.2 und F2.8. Sollte euer Objektiv eh über diesem Wert liegen: Kein großes Problem, einfach die größtmögliche Öffnung wählen.

Fahren wir Fort mit der ISO-Zahl. Dieser Parameter bestimmt entscheidend – wichtig für ein ausgewogenes Bild – die Abbildung des Hintergrundes. Euer Blitz, selbst ein starker, wird niemals den ganzen Raum ausleuchten. Bereits nach wenigen Metern ist die Leistung so gut wie aufgebraucht. Hinter dem Wirkungsbereich des Blitzes entscheidet die ISO-Zahl in Kombination mit der Verschlusszeit die Helligkeit des Bildes. Achtet bei der Einstellung eurer Kamera darauf, einen guten Kompromiss zwischen Bildqualität (reduziert durch höhere ISO-Zahlen) und Helligkeit (verbessert durch höhere ISO-Zahlen) einzugehen. Ein guter Startpunkt ist meines Erachtens ISO 800. Bei aktuellen Kameras, testet das für euer Werkzeug einfach aus, kann man noch guten Gewissens bis ISO 3200 gehen. Wichtig: Ein korrekt belichtetes Bild bei ISO 1600 gibt einem eine bessere Qualität als ein unterbelichtetes und dann nachbearbeitetes Bild auf ISO 800.

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Natürlich bestimmt abschließend auch die Verschlusszeit wie viel Licht auf den Sensor fällt. Dies ist im Falle der Blitzfotografie aber ausschließlich wichtig für die Darstellung des Hintergrundes. Die Helligkeit des Blitzes wird durch die Leistung und – wie bereits angesprochen – durch die Blende bestimmt. Die Verschlusszeit hat hierauf keinen Einfluss. Als Richtwert für den Start empfehle ich 1/60s. Dies ist ein guter Kompromiss zwischen einer ausreichend scharfen Abbildung des Hintergrundes (Bewegungsunschärfe) und einer ausreichenden Lichtmenge für eine gute Belichtung. Langsamer als 1/30s würde ich nicht empfehlen, schneller als 1/60s macht in schummriger Umgebung aber auch kaum Sinn.

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Wir vervollständigen unser Set-Up mit dem Blitz. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass dieser auf voller Leistung gefahren werden sollte. Nutzt ihr den eingebauten Blitz eurer Kamera sucht im Menü nach Blitzkompensation. Hier könnt ihr die Ausgabeleistung entsprechend reduzieren. Euer Ziel ist es nicht, den Hintergrund per Blitz aufzuhellen. Diesen bilden wir bereits durch ISO und Verschluss ab. Konfiguriert den Blitz so, dass der Vordergrund auf natürliche Art und Weise aufgehellt wird. Hier einfach mit 100% Leistung starten und immer weiter reduzieren, bis das Ergebnis ausgewogen ist. Dabei darf der Hintergrund leicht dunkler als der Vordergrund sein – das setzt durch Gestaltung den Fokus. Aber wir wollen natürlich bewusst einen allzu unnatürlichen Kontrast vermeiden. Eine niedrigere Leistung erhöht zusätzlich noch die Lebensdauer der Lampe, Batterien und verbessert die benötigte Zeit zum wiederaufladen.

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Deutlich besser werden eure Fotos natürlich, wenn ihr einen Aufsteckblitz verwendet. Der große Vorteil ist nicht die zusätzliche Leistung sondern die Flexibilität des Blitzkopfes. So wird es euch nun möglich sein, eine Wand oder die Decke anzublitzen. Das Licht wird reflektiert und fällt indirekt – Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel – zurück auf euer Motiv. Die Ausleuchtung wird gleichmäßiger, die Schatten weicher, das Bild besser. Im Vergleich zum direkten Blitzen erfordert dies durch die verlängerte Blitzdistanz natürlich etwas mehr Leistung sowie eine höhere Zoom-Einstellung am Blitz – soweit verfügbar.

Die Menge sowie die Abhängigkeit der Parameter mag beim Durchlesen komplex wirken. Geht man die Konfiguration vor Ort aber Schritt für Schritt durch, kommt man schnell und einfach zum gewünschten Ergebnis:

  1. Stellt die empfohlenen Startwerte (ISO800, Verschlusszeit 1/60s, Blende 2.X) an eurer Kamera ein und macht ein Foto der Tanzfläche – und zwar ohne Blitz! Das entstandene Foto zeigt euch wie der Hintergrund eurer Fotos aussehen wird. Ganz wichtig: Lasst euch vom hellen Display eurer Kamera in der dunklen Umgebung nicht täuschen. Dieses suggereiert tendenziell eine bessere Ausleuchtung als tatsächlich gegeben ist. Nutzt das Histogramm zur richtigen Einschätzung. Justiert nun ISO und Verschluss innerhalb der vorgeschlagenen Grenzen um das gewünschte Ergebnis für den Hintergrund zu erzielen. Bedenkt, dass euer Ziel nicht ein hell belichteter Hintergrund ist. Dieser ist nämlich nicht mehr als genau das, der Hintergrund, und darf durchaus um 1 bis zwei Blendenstufen dunkler ausfallen.
  2. Aktiviert nun euren Blitz. ISO, Verschluss und wahrscheinlich auch Blende stehen zu diesem Zeitpunkt weitestgehend fest. Ihr modifiziert hauptsächlich die Leistungsausgabe eures Blitzes. Ziel ist die gute Ausleuchtung eures Motivs im Vordergrund. Achtet hier speziell auf eine natürliche Wirkung zwischen Vorder- und Hintergrund. Dies bedeutet – da wir den Hintergrund ja schon richtig eingestellt hatten – den Vordergrund nicht zu überblitzen.
  3. Überprüft zuletzt, ob ihr die Einstellungen optimieren könnt. Beispiel: Überlegt, ob ihr z.B. eine recht niedrige Verschlusszeit (1/250s) habt, und durch Änderung auf 1/60s noch das gleiche Ergebnis bei niedrigerer ISO-Zahl und somit besserer Bildqualität herauskitzeln könnt.

Die so gefundenen Einstellungen müssen eigentlich nur noch sehr selten – sprich: Gar nicht – modifiziert werden. Ihr könnt so ganz entspannt eure Einstellungen finden und euch dann den ganzen Abend auf die Fotografie konzentrieren.

Abschließend noch ein paar Tipps für ein Foto, das hoffentlich mehr als nur technisch gelungen ist:

  • Euer Foto braucht ein Motiv. Klingt logisch? Ist auch sehr wichtig. Achtet darauf, nicht nur einfach die wogende Masse abzulichten. Eine oder mehrere Personen sollten ganz klar der Fokus sein, um dem Bild eine Bedeutung zu geben.
  • Achtet darauf sogenannte Candid-Shots zu bekommen. Die Feiernden neigen dazu bei Sichtung der Kamera sich in die Arme zu fallen und gestellt in die Linse zu strahlen. Das können ganz nette (Klein-) Gruppenfotos werden, aber in ungestellter Aktion wirken die Fotos eben noch besser. Dazu braucht es längere Präsenz auf der Tanzfläche und schnelle Reaktion. Je länger ihr „zielt“, desto unnatürlicher wird das Foto
  • Sorgt in euren Aufnahmen für Vielfalt. Die Party findet nicht nur auf der Tanzfläche statt. Vor der Türe „eine Rauchen“, am Tisch anstoßen, in der Sitzecke wieder auftanken. Das bringt Vielfalt in eure Aufnahmen und ist ein wichtiger Teil der Party.
  • Macht viele Fotos. Auf der Tanzfläche geht es heiß her, der Ausschuss bei dieser Art der Fotografie ist groß. Nutzt die Vorteile des digitalen Zeitalters aus und haltet drauf, was das Zeug hält. Viele Aufnahmen ergeben viele Chancen.
  • Werdet kreativ. Nutzt zum Beispiel lange Belichtungszeiten um den Hintergrund bewusst mit Lichtstreifen zu durchziehen. Das macht das Bild dynamisch und die Serie vielfältig. Und keine Angst, der Blitz sorgt schon für einen scharfen Vordergrund.

Kompliziert? Nein. Die richtigen Einstellungen an der Kamera sind schnell vorgenommen und müssen beim Fotografieren eigentlich nicht mehr modifiziert werden. Sorgt für die nötige Hintergrundbeleuchtung mit einer etwas höheren Iso-Zahl, für genug Licht mit einer eher offenen Blende und einer auf den Hintergrund abgestimmten Verschlusszeit. Blitzt wenn möglich indirekt und stellt die Leistung des Blitzes so ein, dass ihr eine ausbalancierte Helligkeit zwischen Vorder- und Hintergrund erhaltet. Fertig ist die technische Seite der Party-Fotos. Und die Anforderung an den Fotografen? Rein ins Getümmel

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