Umgekehrter Workflow – Von Photoshop zu Lightroom

Der Workflow zwischen Lightroom und Photoshop ist klar geregelt: RAW-Entwicklung in Lightroom, Pixel-Editing in Photoshop. Bei einem Produktfoto musste ich diese Grundregel umkehren.


Für mich persönlich ist Lightroom das deutlich wichtigere Werkzeug. Und mit den Funktionen wie Radial- bzw. Verlaufsfilter und den immer mächtiger werdenden Pinselwerkzeugen öffne ich bei vielen – auch komplexeren – Bildern Photoshop fast nie.

Nun ist es aber so, dass sich Lightroom und Photoshop – auch wenn Sie sich gefühlt in vielen Funktionen überschneiden- grundlegend unterscheiden. Lightroom entwickelt RAW-Dateien während Photoshop bereits entwickelte RAW-Dateien (sprich: zu Pixeln rasterisierte Bilder) editiert. Das soll zwar nicht Inhalt des heutigen Artikels sein, ist aber ein massiver Unterschied. Aus diesem Grund muss Lightroom beispielsweise beim Zoomen oder verschieben von Bildern immer Daten nachladen während diese bei Photoshop sofort zur Verfügung stehen.

Klassischer Weise – so ist es auch von Adobe konzipiert – entwickelt man seine RAW-Dateien (z.B.) in Lightroom bevor man sie in Photoshop bearbeitet. Ein Produktbild hat mich gezwungen, diese Vorgabe zu brechen. Produktbilder fordern eine kompromisslose Makellosigkeit. Man muss noch pedantischer vorgehen als bei der Beauty-Retusche. Jedes Staubkorn ist ein zu besitigender Makel. Es heißt also: Stempeln was die Maus hergibt. Ohne Übertreibung: Wir sprechen hier von „Zig“ editierten Punkten im finalen Bild. Aber noch weit vor Fertigstellung ging Lightroom – meinetwegen auch mein Rechner – in die Knie. Wir reden hier von aktueller i5 Generation mit dedizierter Grafikkarte, 8GB Ram und SSD. So war an Weiterarbeit nicht zu denken.

Der Grund liegt in dem hohen Aufwand den Lightroom hier betreiben muss. Aus den Roh-Daten müssen Raster erzeugt werden, diese überlagert und mit allen weiteren Modifikationen editiert werden, bei der Reparatur an den Zielbereich angepasst und dann wieder ausgegeben werden. Bei jeder weiteren Veränderung das ganze Bild betreffend müssen diese Berechnungen für alle Punkte wiederholt werden. Der Aufwand ist also für eine so „banale“ Funktion gerade in Summe doch recht hoch.

Die Lösung dieses Problems ist der große Bruder von Lightroom: Photoshop. Hier werden die Daten bereits rasterisiert geladen und beim Stempeln auch wieder direkt als solche Rasterpunkte abgelegt. Das Ergebnis ist eine deutlich bessere Performance. Hier der entsprechende Workflow:

  • In Lightroom sollte die Minimaleditierung (ausschließlich im Basis-Panel) durchgeführt werden. Der Weißabgleich muss stimmen, das Profil eingestellt sein, die Belichtung sollte neutral ausgeführt werden: kein Clipping an beiden Seiten des Histogramms ist das Ziel. Verbesserungen wie Klarheit, Kontrast oder Sättigung dürfen hier noch keine Rolle spielen.
  • Nun das Bild in Photoshop laden und in einer zweiten Ebene(!) stempeln was das Zeug hält, abschließend als PSD oder TIFF mit Ebenen speichern.
  • Das Bild erscheint mit dem Original gestapelt in Lightroom. Nun kann man Lightroom-Editierungen wie gewohnt vornehmen, aber ohne Performance-Einbrüche.
  • Es steht einem nun auch frei, das Bild wieder in Photoshop zu öffnen und final zu editieren. Praktisch: Wählt man als Option „Original öffnen“ wird wieder unser Ausgangsbild geladen und wir können evtl. Fehler beim Stempeln in unserer zweiten Ebene Nacharbeiten.

Eins ist ganz klar: Wer nur einen einzelnen Sensorfleck loswerden möchte, der sollte einfach die eingebauten Tools von Lightroom nutzen. Dazu sind sie da und auch gut geeignet. Es ist der Sonderfall, der diesen Workaround nötig macht.

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