Lightroom fürs Handy – Selbstversuch eines Unwilligen

Mit dem Creative Cloud Abo von Adobe, eigentlich nur angeschafft um bei Lightroom („Classic CC“) auf dem neuesten Stand zu bleiben, bekommt man neben Photoshop auch noch Adobe Photoshop Lightroom (for Mobile) dazu. Schmarrn, dachte ich und habe es nur mal aus Langeweile installiert. Und dann?


Ich muss vorab sagen: Ich bin und war nie ein Handyfotograf. Hier und da mal einen Schnappschuss von den Kindern oder ein Video einer lustigen Situation – das wars. Die Kamera ist auch kaum ein Kriterium für mich beim Handykauf (Neupreis: 180€). Kurz: Ich knipse, ich fotografiere nicht.

Dabei ist es falsch, Lightroom Mobile als Handy-App zu verunglimpfen. Es handelt sich um ein Cloud-Orientiertes Editing-Tool für alle gängigen Plattformen, also neben dem PC auch Tablets und Handys.

Beim Müßiggang zwischen den Feiertagen bin ich dann nach langjähriger Ignoranz wieder auf Lightroom Mobile aufmerksam geworden. Schnell über das Ferienhaus-W-Lan installiert und beim Kinderprogramm Zoo einfach mal ausprobiert. Ausgangspunkt: Dieser dekorative Kriegsverlierer:

Ein Poster würde ich mit dem Ausgangsmaterial nicht gerade drucken, aber man darf schon beeindruckt von der Leistung heutiger Handy-Knipsen sein. Dann zeig mal was du kannst, Lightroom.

Fotos müssen zur Nutzung in LR-Mobile erst einmal in das Programm importiert werden und liegen dann als Kopie in einem extra Ordner auf dem Handy. Das muss man nicht mögen, trennt aber zwischen den unzähligen Schnappschüssen und den Aufnahmen mit Potential. Aus vielfältigen Kategorien am unteren Bildschirmrand lässt sich eine beträchtliche Auswahl an Lightroom-Tools selektieren. Wenig beeindruckende Klassiker wie den Zuschnitt oder eine Filterauswahl bis hin zu doch einzigartigen Tools wie Radial- und Verlaufsfiltern oder sogar dem Reparaturpinsel. Die Tools sind dabei alle auf die Touch-Bedienung ausgelegt, bleiben trotz allem aber etwas fummelig, gerade bei der Editierung der letzten Quäntchen und im Besonderen bei der Maskierung. Und ich spreche hier immerhin von einem 5-Zoll-Plus-Gerät.

Möchte man die Fotos dann an anderer Stelle wie WhatsApp, Instagram oder Facebook verwenden, muss – da der Workflow auch auf dem Handy nicht destruktiv ist – das Foto erst einmal exportiert werden.

Prinzipiell bietet Lightroom auch eine Kamerasteuerung an. Diese war in meinem Fall im erweiterten Modus aber vom Funktionsumfang deutlich reduziert zur Herstellereigenen App. Hinzu kommt, dass diese nur etwas umständlich zu erreichen ist, gerade im Vergleich zu Schnellwahltasten am Handy. Aber werfen wir doch lieber noch einmal einen Blick auf unser Ausgangsbild und das finale Ergebnis:

Etwas knackigere Details, starker Vignetten-Effekt, Korrektur der Lichtfarbe, Ausstempeln von störenden Reflexionen oder dem Schild. Das ist recht schnell und intuitiv gemacht und die Algorithmen leisten gute Arbeit. Beispielsweise bei den Federn im unteren Teil erkennt man aber auch die Schwierigkeiten bei der Bearbeitung mit den Fingern.

Bleibt die Frage, was man nun mit Lightroom Mobile erreichen kann und was ich damit erreichen will. Nun, Lightroom Mobile hat meines Erachtens durchaus das Potential aus Knipsbildern interessantere Aufnahmen zu machen. Trotzdem wird das Handy durch LR-Mobile für mich zu keiner Alternative für eine tatsächliche Kamera. Stand jetzt verlassen die Bilder nicht mal das Mobiltelefon um in meinen normalen Workflow, geschweige denn meine normale Bibliothek, eingepflegt zu werden. Verspricht ein Tag oder ein Moment schöne Aufnahmen, nehme ich meine Kamera mit. Ich sehe den Wert für mich eher weiterhin in der Nutzung als Handyknipse, aber mit einem gewissen ästhetischen Anspruch. Das können zukünftig z.B. Stories auf Instagram oder Facebook sein, oder eben einfach nur die Schnappschüsse von Kindern – aber jetzt eben in schöner.

Und ganz ehrlich: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Warum sollte das nicht im Notfall ab sofort auch die in meinem Handy sein.

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