Roadtrip Portugal #1 – Eine Woche in Lissabon

Es gibt zwei Arten Mensch: Typ Lissabon oder Typ Porto. Startet mit uns in unsere Rundreise inkl. Roadtrip durch Portugal, die eben dort (Lissabon) startet und dort (Porto) endet und lasst euch von uns in unserem Ersten Teil in die Hauptstadt Portugals entführen.


Ausblick Aussichtspunkt Lissabon Alfama

Eine Woche haben wir inklusive An- und Abreisetag in Lissabon Zeit, also immerhin fünf volle Tage. Das gibt uns die Chance an schönen Orten auch mal Seele und Beine baumeln zu lassen. Anfang Oktober hatten wir auch noch die bescheidene Hoffnung auf ein paar Stunden Sonne und wurden zu Beginn unserer Reise mit weit über 30°C mehr als Zufriedengestellt. Ein weiterer Vorteil: wir waren außerhalb der Hauptsaison unterwegs. Wer diesen Luxus haben kann, sollte ihn auch in Anspruch nehmen. Insbesondere Lissabon war überlaufen und laut Einheimischen zu dieser Jahreszeit geradezu „leer.“ Ich will mir die Stadt im Juni oder August gar nicht erst vorstellen.

Graça (Graca)

Wir schlagen unser Lager in Graça auf, dem Viertel mit den bekanntesten Aussichtspunkten (Miradouro) über die Stadt. Abgesehen von diesen Vistas ist das Viertel recht ruhig im touristischen Kontext. In den Pastelarias frühstücken wir mit Einheimischen und das es Supermärkte und gewöhnliche Imbissbuden gibt, spricht auch für eine gewisse Ursprünglichkeit. Aber auch das ein oder andere gemütliche Restaurant versteckt sich in den Gassen neben der befahrenen Hauptstraße. Unser Highlight ist aber ohne Frage das man den Abend bei Sonnenuntergang, Straßenmusik und Cider über den Dächern Lissabons ausklingen lassen kann. Viel besser geht es nicht. Das sollte man (auch ohne Unterkunft in Graça) mal gemacht haben. Graça selbst hat abgesehen vom Ausblick eigentlich wenige herausstechende touristische Attraktionen, und das ist etwas Gutes. Die Einheimischen sind entspannt(er) und hier und da kommen wir auch ins Gespräch. Graça ist für all jene mit etwas mehr Zeit ein schönes Viertel zum schlendern und treiben lassen und definitiv ein hervorragender Ort um sein Hotel oder AirBnB zu suchen – nicht zuletzt weil man fußläufig in 10 Minuten im Zentrum ist. Für uns ist das Viertel ein richtiger Heimathafen in Lissabon geworden.

Alfama

Baulich noch ursprünglicher schließt sich an Graça das Viertel Alfama an. Es fällt an recht steilen Hängen und in wunderbar unübersichtlichen Gassen hinab in die Innenstadt von Lissabon; und ist der Horror für alle Kinderwagenschieber. Aber das möchte man dem Viertel nicht vorwerfen.Aber es ist auch Alfama, dass die Zerrissenheit der Stadt am deutlichsten Widerspiegelt. Touristen mit Rollkoffern holpern über das Kopfsteinpflaster zu ihren frisch renovierten Unterkünften während an den noch nicht umgebauten Häusern Sticker in grellen Farben auf den Kampf der Einheimischen um ihren Wohnraum aufmerksam machen („Be a sensible tourist, don’t steal our fucking homes“). Mir ist die Problematik in diesem Ausmaß – ganz der Naivling – hier zum ersten mal derart intensiv gespiegelt worden. Und auch Lissabon selbst ist zerrissen zwischen Devisen und Mietsteigerungen. Am Beispiel von Alfama wird sich zeigen, ob beliebte Reiseziele bald nur noch eine Kulisse für die Besucher sind oder noch etwas ursprüngliches behalten können. Ersteres scheint gerade leider wahrscheinlicher. Doch zurück zu Alfama selbst:

Für uns ist das Viertel mit das Charmanteste, was Lissabon uns geboten hat. Eng und manchmal dunkel, an vielen Stellen mit der Pattina die diesen Vierteln Charakter verleiht, dabei traumhaft verwinkelt. Hier einfach kopflos abzubiegen und die Stimmung einzuatmen war Lissabon und Portugal at its best.Kleine Bars und Cafes laden Abends zu Faro-Musik ein, tagsüber verkaufen alte Damen auf Plastikstühlen oder aus den Fenstern ihrer Wohnzimmer Schnaps. Und Abseits von Pantheon und Kloster verläuft sich die Menge an Besuchern auch. Oder eher: eine ganze Menge Menschen kratzt eh nur an der Oberfläche des Viertels und lässt sich nicht durch die Gassen treiben. Eine schöne Möglichkeit für alle, die für sich etwas tiefer einsteigen wollen. Wer die Zeit hat, sollte hier auf jeden Fall auch mal ohne Reiseführer den einen oder anderen Weg einschlagen.

Hier mit der X-T2 und dem 27mm Pancake? Ja bitte!

Baixa

Ziemlich plötzlich spuckt uns das verwinkelte Alfama am Ufer des Tejo im Kern von Lissabon aus: Baixa – das Prachtviertel.Architektur Lissabon PortoAm Praça do Comércio laufen  viele Achsen der Stadt zusammen. Hier landen die Straßenbahnen an, die Avenida da Liberdade ist in der Nähe, die Schiffe legen ab. Hier zeigt sich Lissabon, wie wir es uns auchvorgestellt haben: Eine Mischung vom Prunk eines Paris oder Madrids, gepaart mit einem Hauch „havannischem“ Character. Hier scheint die Stadt aber leider auch deutlicher als irgendwo sonst kurz vor dem Kollaps: Es stapeln sich die TukTuks, Straßenkünstler, Taschendiebe, Grasverkäufer, Bettler, Touristenfallen und Warteschlangen. Ein Stau wie dieser ist ganz normal:Trotzdem gilt natürlich: Wer in Lissabon ist muss auch in Baixa gewesen sein. Wegen der Architektur, wegen der glänzenden Marmorböden und auch wegen dem Trubel. Trotzdem würde ich auch bei der nächsten Reise wieder mehr Zeit für die anderen Viertel reservieren. Die überzeugen für mein Empfinden nämlich mit mehr Charme.

Belém

In Baixa kaufen wir uns Tickets für eines der Touristenboote(Yellow Boat) und starten vom Praça do Comércio gemütlich über den Tejo in das westlichste Viertel unseres Besuchs: Belem. Mit Kindern ist das eine gute Möglichkeit bequem und als Event verpackt Strecke zu machen, denn der Stadtteil liegt ein wenig außerhalb. Zu unserer Reisezeit auch von Tickets (abgesehen der Preise) und Platzangebot inkl. Kinderwagen kein Problem. Die Boote fahren einige Sehenswürdigkeiten auf dem Weg an, die wir aber ausgelassen haben. Darunter die Christus-Statue oder das Museum für Kunst, Architektur und Technologie.Belém ist bekannt für so einiges: Pastéis de Belém, das Hieronymitenkloster, den Palast, die Museen, deren Parks und dergleichen mehr, allen voran aber natürlich den Torre de Belém, alles mit ordentlichen Schlangen an Besichtigungswilligen. Müsste ich Belém vergleichen, wäre es definitiv näher an Baixa als an Alfarma.

Belem war letztendlich nicht unser Viertel. Es ist neben Baixa der bevölkertste Teil der Stadt, es ist aber vor allen Dingen ein Viertel dass, um seine Wirkung entfalten zu können, von innen besichtigt werden muss. Museen, Klöster und Schlösser – mit den beiden Knirpsen wollten wir uns „laaaangweilige“ Führungen oder Besichtigungen aber nicht so recht antuen. So konnten wir den Reiz nur begrenzt, zum Beispiel in den schönen Parks, auskosten. Gerade wer kulturell interessiert ist dürfte aber voll auf seine Kosten kommen. Und auch einen Regentag kann man hier bestimmt gut überbrücken.

Letztendlich waren sowohl Belém als auch Baixa Viertel, die nicht so recht den Sog eines Alfama oder Garca entwickeln wollten. Statt mittendrin in einem Viertel steht man eher vor einem Gebäudeensemble. Durch die Übermacht an Touristen im Gegensatz zu Einheimischen wirkte auch alles mehr wie eine Kulisse als eine organische Stadt. Schwer zu beschreiben. Hätte ich weniger Zeit oder aber kein Interesse an Museen und Führungen würde ich Belem auslassen.

Trotzdem noch ein Profi-Tipp: Wer statt Pastéis de Belém in Belém selbst Pastéis de Nata irgendwo anders in der Stadt kauft, bekommt das gleiche schneller und billiger. Und natürlich genau so lecker.

Ozeanarium / Oceanário de Lisboa

Da wir mit Kindern reisen müssen wir unsere Tagesplanung auch an unseren Kindern mit ausrichten. Mal ist das eine ausgedehnte Spielplatzpause, immer häufiger aber ein kompletter Tagesausflug. Mit dem Bus geht es auf das Gelände der ehemaligen Weltausstellung zum Ozeanarium.

Ganz ehrlich: Ich würde einen Besuch stark von der verfügbaren Zeit und den unmittelbaren Randbedingungen wie Wetter und Reisen mit / ohne Kindern abhängig machen. Ein Besuch ist auf keinen Fall ein Fehler, wäre ansonsten auf meiner persönlichen ToDo-Liste aber eher auf den hinteren Plätzen. Trotzdem war es schön! Das Oceanário de Lisboa ist das größte Aquarium Europas und belegt Nummer zwei in der Welt. Es ist um ein gigantisches, zentrales Becken herum errichtet das so groß ist, dass man es durch die natürliche Trübung des Wassers nicht durchblicken kann. An den Ecken der Außenseiten sind einzelne Meeresbiotope auch mit entsprechendem Landbereich nachgebaut. Wer wie wir etwas Glück hat erlebt die Fütterung einzelner Tiere durch Taucher. Für Kinder definitiv ein toller Ort.Um das Aquarium herum sind ansonsten noch die Überbleibsel der Weltausstellung zu sehen. Hervorzuheben sind die schöne Promenade mit einigen Restaurants und die Seilbahn. Darüber hinaus ist der weit ausserhalb liegende Bereich (20 Minuten ab Baixa) mit einer Mall und einigen eher unbelebten Plätzen tatsächlich kein Muss.

Linie 28 – Lissabons Straßenbahn

Zurück in einem der zentralen Viertel wie Baixa oder Alfarma kündigt das charakteristische Rattern und Klingeln bereits vom nächsten Fotomotiv: Die zumeist gelben und manchmal roten historischen Straßenbahnen der Linie 28. Sie sind ein fester Bestandteil des akustischen Stadtbildes und die Bahnen in der gegebenen Umgebung geradezu surreal schön.

Gefahren sind wir mit der Bahn tatsächlich nicht. Kinderwagen, zwei Kinder, unendliche Warteschlangen. Es war uns einfach nicht wichtig genug, speziell da die Bahn einen nicht an ansonsten unerreichbare Orte bringt. Aber wenn so eine Bahn sich durch eine der engen Gassen schlängelt ist es einfach ein Anblick für die Götter. Was für eine Hektik, die Kamera aus dem Rucksack zu zerren wenn es irgendwo im Rücken bimmelt – jedesmal. Wer da keine Lust bekommt, zu fotografieren..

Und so viel mehr

Selbst mit unseren 5 vollen Tagen hatten wir nur einen kleinen Einblick in das, was Lissabon ausmacht. Orte von denen ich einfach keine speziellen Fotos mitgebracht habe wie dem Barrio Alto (Ausgehviertel) oder dem empfehlenswerten Flohmarkt Feira da Ladra beim Kloster in Alfama. Aber auch die Highlights von der Streichliste: Kathedrale, Castelo, Pantheon und dergleichen mehr. Es ist mit eine der Erkenntnisse des Reisens mit Kindern: Es dauert länger, viel länger. Das hat positive Aspekte, denn es entschleunigt und fügt Pausen und ruhige Momente ein – zum Beispiel unser Picknick im Parque Eduardo VII. Aber es schrumpft eben auch die Liste dessen, was möglich ist. Für mich immer noch ein teils schmerzhafter Kompromiss.

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Ist Lissabon ein lohnenswertes Reiseziel? Für eure eigene Entscheidung hoffe ich, dass die Fotos helfen. Meine Empfehlung für die Stadt am Tejo habt ihr. Bleibt die Frage welcher Typ ich bin. Lissabon? Porto? Abwarten, immerhin reisen wir in Teil 4 unseres Berichtes noch genau dorthin. Aber vorerst:

Tschüss Lissabon. Hallo Camper!

Danke für Euer Interesse.


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