Fotobuch Test #3 – Pixum Fotopapier Edelmatt

Weiter geht es in unserem lockeren und vollständig eigennützigem Test von Fotobüchern – heute mit dem wohlbekannten Anbieter Pixum auf Fotopapier Edelmatt mit Layflat Bindung. Ich bin gespannt wie einer der Größten der Branche abschneidet gegen unsere bisherigen Testkandidaten.


Der Beginn eines jeden Fotobuchs ist die Designsoftware. Pixum hat hier seine eigene, die sich am Standard aller Programme orientiert: Buch in der Mitte, Seitenübersicht, Quelle und Tool-Leisten.Dabei hat das Programm nette Zusatzfunktionen wie das Durchschalten von Layout-Vorschlägen für ausgewählte Bilder über die Leertaste, hinkt aber z.B. im Vergleich zu Saal etwas bei der Unterstützung zur manuellen Positionierung der Bilder hinterher (Fangen bei gleicher Ausrichtung oder Skalierung). Ein kleines Geben und Nehmen mit einem eindeutigen Unentschieden als Ergebnis. Sprich: Das Programm tut was es soll mit einigen netten Ideen und ohne durch schlechtes Design oder Abstürze zu nerven. Alles in Ordnung also.

Für 58 bedruckte Seiten sind inklusive Versand rund 103€ fällig. Pro Seite liegen wir damit bei ca. 1,84€. Das ist alles andere als günstig. Saal Digital ruft für seinen Highend-Druck – ebenfalls inklusive Versand – gerade einmal 78€ auf. Das ist ein Preisunterschied, der gerechtfertigt werden muss.

Die Bestellbearbeitung bis zum Versand war innerhalb von Tagen 3 abgeschlossen, wobei die Bestellung an Tag 1 erst um 21:00 aufgegeben wurde. Da kann man nicht meckern. Auch bei der Verpackung: Kein Grund zur Klage.

Nach dem Auspacken erst einmal Begeisterung: Der Einband ist samtig und hochwertig bedruckt, matt und eher glatt. Ein schöner Hingucker, deutlich schöner als der Hochglanz-Einband von Saal und auf gleichem Niveau wie die matte Variante der Konkurrenz. Ein Einband, den man gerne aus dem Regal zieht.

Im Inneren schlummern Bilder aus Schottland. Eine viel zu kurze Rundreise entlang der Küsten und über die Isle of Skye. Irgendwann noch einmal.

Beim ersten Umblättern fällt das massive Papier auf. 250g/m2 sind nicht übertrieben, aber das Papier gibt sich sehr biegfest. Das Gefühl liegt irgendwo zwischen Papier und Pappe – mir einen kleinen Tacken zu fest, aber nicht wild. Insgesamt sehr wertig in der Hand. Was sich viel mehr aufdrängt ist, wie glatt das Papier ist. Es hat quasi keine Struktur und geht ganz stark in die Richtung von bedrucktem Verpackungskarton – strukturloser noch als Fotopapier. Das ist sehr auffällig und für mich weniger schön als ein texturiertes Papier. Gerade die Struktur und Tiefe des Papiers hat mir bei anderen Anbietern gut gefallen. Auf diesem Vergleichsbild zwischen Pixum Edelmatt (oben) und Saal Highend-Druck (unten) sieht man gerade im bedruckten Bereich den Unterschied der beiden Papiere. (Der Lichteinfall wurde bewusst so gestaltet, dass die Struktur der Papiere betont wird).Was zusätzlich auffällt: Das Papier von Pixum ist sehr viel wärmer. In der eigenständigen Betrachtung und auch bei der Farbwiedergabe der Bilder fällt aber kein Farbstich auf.

Die zuvor angesprochene Glätte des Papiers fällt aber durchaus auf den Bildern auf. Diese lassen nämlich ebenfalls die natürliche Struktur, besonders in gleichmäßigen Flächen, vermissen. Das bedeutet nicht, dass Details an sich verloren gehen – die Mauer des Inns auf der unten dargestellten Seite ist wie gewünscht scharf und aufnahmegetreu abgebildet – aber die dunklen Bereiche sind so glatt, dass sie wie eine übertriebene Weichzeichnung wirken. Dabei geht die Druckqualität sonst wirklich vollkommen in Ordnung. Kein unangenehmer Moire-Effekt, keine fiesen Farbverschiebungen, keine reduzierte Schärfe. Die Bilder lassen sich gut betrachten und gerade in der vorgesehenen Betrachtungsdistanz ist alles in bester Ordnung. Allerdings liegt die Software mit ihrer Bewertung der ausreichenden Auflösung (für Panoramen) für mein empfinden hart an der Grenze. Insgesamt ein durchwachsenes Ergebnis.

Ein Zusatzfeature, auf das ich nicht mehr verzichten möchte und auch jedem Fotobuchinteressierten empfehlen würde, ist die Layflat-Bindung. Dabei handelt es sich um eine bei aufgeschlagenem Buch flache Bindung zwischen den beiden offenliegenden Seiten, als wäre es eine einzige, große Seite. Gedacht und Beworben wird dies häufig für Seitenüberspannende Panoramen. Aber auch wer nur einseitig drucken lässt, kann die Vorteile einer Layflat-Bindung genießen. So ist die aufgeschlagene Seite immer vollständig eben und man kann den Raum der Seite wirklich voll ausnutzen. Für mich gibt es nur noch die flache Variante. Die Umsetzung bei Pixum ist solide, aber nicht gut. Liegen und bündig abschließen tut das Buch sehr wohl, aber wie die Detailaufnahme oben zeigt zieht sich ein feiner, weißer Strich durch übergreifende Bilder – immer. Ob dies bereits beim Druck oder durch das Falten passiert, ist mir nicht klar, für das Endergebnis aber auch egal. Das löst die Konkurrenz deutlich besser. Klarer Punktabzug.

Was Logo und Barcode, für ein kleines Entgelt entfernbar, angeht, ist Pixum etwas aggressiver als die Konkurrenz. Auf Einband und auf der letzten Seite wird mehr Raum als nötig eingenommen. Mich stört das nicht, anderen ist es wichtig – deswegen an dieser Stelle der Hinweis. 

Ein wirkliches Ärgernis zeigt sich nach ein paar Tagen. Das Buch beginnt sich zu wellen. Nach einigem Quetschen unter anderen Büchern sieht es nun so aus: Gelagert in einem trockenen Raum, ohne direkte Sonneneinstrahlung. Zum Glück stört es nicht bei der Betrachtung der Bilder oder beim Umblättern. Trotzdem schade.

Blicke ich auf das bisher geschrieben zurück, klingt der Artikel negativ. Zumindest mal negativer, als das Buch es verdient hat. Fassen wir einmal zusammen: Wir haben einen tollen Einband und ein sehr solides und stabiles Papier, das mir persönlich etwas zu glatt ist. Hier spielen aber individuelle Vorlieben eine größere Rolle, als das man es dem Papier als prinzipiellen Makel anlasten könnte. Einzig das Wellen des Papiers stößt mir sauer auf. Die Druckqualität geht vollkommen in Ordnung, auch wenn das Papier die Bilder irgendwie zu Glätten scheint. Das darf als Charakteristik verbucht werden, gefällt mir aber nicht so sehr. Insgesamt also ein Fotobuch das als durchaus solide, mit Eigenarten durchgehen kann. Wäre da nicht der merklich höhere Preis gegenüber meinem Empfinden nach besseren Produkten. Habt ihr Empfehlungen für Anbieter – gerne auch abseits der bekannten Pfade – die sich lohnen?

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