Fujifilm RAW und Lightrooms „Enhanced Details“

Als Fuji-Fotograf ist man, was die Bildbearbeitung angeht, Kummer gewöhnt. Lightroom und RAF-Dateien – eher Lightroom und X-Trans-Sensoren – haben sich bisher nicht übermäßig gut verstanden. Mit Enhanced Details verspricht Adobe ein Ende der Probleme.


Feine Details wie Blätter oder Steine waren immer besonders betroffen. Worming oder Waxing heißt der eigenartige Effekt, der in Kombination von Fujis X-Trans / RAF-Dateien mit Lightroom entsteht. Wie haben dem Thema hier einen längeren Artikel gewidmet. Beispiel gefällig? So sieht das dann aus (Klick für 100% Ansicht):

Die bisher pragmatischste Lösung war (und ist?) aus meiner Sicht der Iridient Transformer. Dieser übernimmt die Konvertierung der X-Trans-Anordnung von einfarbigen Pixeln in die klassischen RGB-Pixel. Diesen Prozess nennt man Demosaicing. Dabei wird die Datei bei dieser Variante direkt in ein DNG umgewandelt, also ein RGB Bild, das noch immer die Vorteile der RAW-Entwicklung genießt. Hiermit ließ sich durch einen zusätzlichen Schritt beim Import-Workflow die Qualität merklich steigern. Mittlerweile ist mir das Vorkonvertieren in Fleisch und Blut übergegangen.

Nun also zieht Adobe mit „Enhanced Details“, in deutschen Menüs als „Details Verbessern“ (Strg, Alt, I) vermerkt, nach. Hierbei handelt es sich um ein nicht Fuji-Spezifisches Feature das auf alle RAW-Dateien angewandt werden kann. Hinter der Technik steht eine KI, die auf Basis von Machine Learning – also dem Analysieren massenhaft beliebiger Bilder – eine Logik für digitale Bilder entwickelt hat und auf Basis von Erfahrungs- und Erwartungswerten das Bild optimiert. Für Fuji bedeutet das – soweit die Werbung – bis z u 30% mehr Details ohne Worming und Waxing.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Menüpunkt auswählen, Verbessern drücken, fertig. Naja, fast. Auf meinem Rechner ganze 90 Sekunden dauert die Konvertierung des Bildes – immerhin ein Intel i5 der neuesten Generation. Auch der anschließende Blick in den Explorer weiß zu überraschen. Das optimierte Bild ist um den Faktor 3 größer als das Original, fast 2 als das Iridient-DNG.

Also ist die entscheidende Frage: Bringt es überhaupt etwas? Und wenn ja, ausreichend um diese Nachteile auszugleichen? Hier der Vergleich der original RAF-Datei mit der optimierten Variante:

Klicke für 100% Ansicht

Ich für meinen Teil mache einen deutlichen Unterschied im grünen Bereich im unteren Teil des Bildes sowie in den hellen Felsbereichen aus. Tatsächlich scheint das Worming auf der verbesserten, rechten Seite vollständig verschwunden zu sein. Mit diesem Unterschied hatte ich persönlich nicht gerechnet. Vergleichen wir nun das Ergebnis des Iridient-Imports mit der Enhance Details Variante des RAF (ein Enhance Detail des Iridient-Imports als Basis ist nicht möglich).

Wieder ist für mich „Enhance Details“ (rechts) die bessere Variante. Die Qualität wird zwar auch durch Iridient Transformer gegenüber dem Original-RAF gesteigert, aber der neue Adobe-Algorithmus schlägt das Ergebnis trotzdem. Auffällig ist an dieser Stelle auch eine leichte Veränderung der Farbe auf der rechten Seite hin zu mehr Sättigung und etwas mehr Wärme bei identischen Einstellungen.

Wie macht Adobe das? Was die Programmierung angeht weiß das natürlich niemand. Aber mir scheint als würde der Algorithmus auf der Ebene von einzelnen Pixel sonst vorhandene, unnatürliche homogene Farbflächen – also Flächen mit in der Natur sehr ähnlichen und bei RAF-Dateien dann wirklich gleichförmigen Farben – aufbrechen und so natürlicher wirken lassen. Das Auge erkennt keine flächenhaft abgegrenzten Strukturen mehr und somit auch kein Worming.

Am Ende des Artikels findet ihr übrigens drei Bilder in Full-HD für euch zum eigenstudium – RAF, Iridient und Enhaned Details.

Alles Super also? Leider nein. Denn so eindeutig der Sieg des Enhance Details Algorithmus auch ist – mir will nicht einfallen, wie ich ihn in einen standardisierten Workflow einfließen lassen kann. Das Beginnt mit Dateigröße und Importzeit. Über eine Minute pro Bild – das bedeutet nach einer Hochzeit mit 1600 Aufnahmen etwas mehr als einen Tag Umrechnung und statt 48GB braucht es 190GB Speicherplatz. Das schlägt sich später auch auf die Bearbeitungszeit eines einzelnen Fotos wieder. Entsprechend empfiehlt auch Adobe die Konvertierung ausschließlich für die Top-Fotos vorzunehmen. Aber genau das wiederum passt nicht in meinen Workflow, denn mit dem Iridient-Transformer bekomme ich ein alltagstaugliches Qualitätsplus – kann dann aber Enhanced Details nicht mehr verwenden. Es sei denn? Ja, es sei denn ich behalte beide Dateien, arbeite mit den Iridient-Dateien und konvertiere für die besten Fotos die RAFs mit Enhance Details nach. Aber das scheint mir genau so umständlich wie es klingt. Ich weiß um ehrlich zu sein noch nicht, wie ich mit der aktuellen Entwicklung umgehen soll. Habt ihr schon einen Plan?

Enden wir vorerst, wie versprochen, mit den größer aufgelösten Bildern der einzelnen Konvertierungsvarianten. Denn diese Darstellung ist es, die letztendlich wirklich zählt.

RAF

Iridient

Enhance Details


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