Sternenbilder mit Lightroom editieren

In einem alten Artikel (Link) haben wir uns schonmal mit den Grundeinstellungen der Kamera zur Sternenfotografie beschäftigt. Jetzt soll es mal darum gehen, was wir in Lightroom alles machen können, um das Bild zu entwickeln. Viel Spaß!


Im letzten Artikel haben wir einen guten Startpunkt gefunden. Wir haben damals die Blende ganz geöffnet, 30 Sekunden belichtet, richtig fokussiert und die Empfindlichkeit auf ISO 1600 gestellt. Das folgende Bild wurde mit einer Blende von F/2.8, 30 Sekunden Belichtungszeit und ISO3200 aufgenommen. Diesmal habe ich einen Kleinbildsensor verwendet, sodass ich kein Problem habe die Empfindlichkeit um eine Stufe zu erhöhen. Wichtig wäre noch, dass ich ein 15 mm Objektiv verwendet habe, was den 10 mm auf APS-C entspricht, die ich euch im alten Artikel gezeigt habe. Hier kommt das Bild, wie es aus der Kamera kam:

Hinweis: Das Folgende ist einfach meine Herangehensweise an das Bild. Es gibt da kein richtig oder falsch. 

Was ich nach dem Importieren der Datei in Lightroom immer mache und was ich auch uneingeschränkt empfehlen würde ist es, das Korrekturprofil des verwendeten Objektivs und das Entfernen der Chromatischen Aberrationen zu aktivieren. Die Verzerrung im Bild wird so entfernt, den Randabschattungen wird entgegengewirkt und die nervigen Farbsäume werden bestmöglich entfernt.

Grundeinstellungen

Gehen wir mal die Einstellungen im Modul „Entwickeln“ durch. Mit dem Weißabgleich der Kamera von 2950 K war ich im Prinzip schon ganz zufrieden. Bloß die Gebäude waren mir etwas zu gelbstichig. Dazu aber später mehr. Mir persönlich ist das aufgenommene Bild etwas zu hell, also habe ich die Belichtung auf -0,33 gesetzt. Den Kontrast habe ich leicht auf +20 erhöht. Zudem habe ich den Schwarzwert auf -25 reduziert. So habe ich das Bild etwas „knackiger“ eingestellt.

Die Klarheit habe ich leicht auf +9 erhöht, um einfach den Mikrokontrast vom Mauerwerk und den Gebäuden etwas herauszuarbeiten. Zudem habe ich die Sättigung leicht auf +7 erhöht.

Das Objektiv hat zwei kleinere Lichtflecken ins Bild gebracht, weil rechts vom Ausschnitt eine starke Lichtquelle war. Diese habe ich mit dem Stempelwerkzeug entfernt.

Ich habe ein bisschen mit den Einstellungen der Gradationskurve gespielt und letztendlich die Einstellung „Mittlerer Kontrast“ gewählt. Ich hätte auch den Kontrast in den Grundeinstellungen weiter erhöhen können, im Endeffekt komme ich aber immer wieder auf eine Kombination, weil ich die Gradationskurve auch individuell anpassen kann, um zum Beispiel eine bestimmte Helligkeitsstufe zu „boosten“ oder zurückzufahren. Bei Portraits betone ich etwa gerne den Hochmittenbereich, um helle und glatte Gesichter zu bekommen. Über die Gradationskurve kann man aber sicher mal gesondert einen Beitrag verfassen…

Ansonsten habe ich beim Schärfen darauf geachtet, dass ich den Regler „Maskieren“ auf 60 gestellt habe, um nicht das gesamte Bild, sondern nur die relevanten Konturen zu schärfen.

Bei der Rauschunterdrückung habe ich die Luminanz auf 20 gestellt, um dem für ISO3200 schon geringen Rauschen etwas entgegenzuwirken.

Bereichsreparatur

Jetzt wird es spannend! Mit der Bereichsreparatur kann ich den Himmel und den Vordergrund getrennt voneinander bearbeiten. Mit dem Korrekturpinsel habe ich die Gebäude ausgewählt. Zunächst habe ich dann natürlich einen Teil des Himmels mit Maskiert. Mit gedrückter Alt-Taste kann man Teile der Maske wieder entfernen. Wenn man noch die Funktion „Automatisch maskieren“ auswählt, erkennt Lightroom recht zuverlässig den Unterschied zwischen den hellen Gebäuden und dem dunklen Himmel. Jetzt, wo ich die Gebäude gesondert maskiert habe, kann ich die Farbtemperatur etwas ins bläuliche Verschieben. Dafür habe ich die Temperatur auf -20 gestellt.

Nun habe ich mit einem großen Korrekturpinsel mit einer sehr weichen Kante den oberen Teil des Himmels maskiert und mit der Negativmaske (Alt-Taste drücken) das Gebäude auf der linken Seite wieder aus der Maske entfernt. Ich habe die Klarheit des Himmels auf +10 gestellt und (tolles Tool!) den Regler für Dunst entfernen auf + 16 erhöht. Damit kommt Kontrast und Sättigung in den Himmel. Hier sieht man die Veränderung auf der rechten Seite des Bildes.

Zu guter Letzt habe ich den rechten Teil des Bildes mit einem Korrekturpinsel maskiert und habe ihn etwas abgedunkelt. Hier seht ihr das fertige Bild:

Zusammengefasst spielen für mich folgende Dinge eine Rolle bei Sternenbildern:

  • Weißabgleich: Den Weißabgleich halte ich für besonders wichtig. Als Faustregel habe ich mir mal einen Bereich zwischen 2900 und 3900 K gesetzt. Es hängt natürlich noch davon ab, ob direktes Mondlicht da ist oder der Mond irgendwo hinter dem Horizont ist. Wenn, wie hier im Bild, Kunstlicht vorhanden ist, sollte man das auch im Blick haben. Die 2950 K finde ich für die Situation perfekt. Den Vordergrund sollte man bei Bedarf nach Belieben anpassen, sodass er nicht zu bläulich oder gelblich erscheint.
  • Klarheit: Die Klarheit setzt die Sterne deutlicher vom Himmel an. Dieser wird etwas dunkler und der Mikrokontrast verbessert sich einfach. Man sollte es jedoch nicht übertreiben, da diese Funktion eine gewisse Härte ins Bild bringt, die so einfach nicht da war.
  • Dunst entfernen: Diese Funktion ist klasse, aber auch in Maßen zu genießen. Kontrast und Sättigung gehen massiv hoch und wenn man es übertreibt rutscht der Himmel in ein intensives Dunkelblau ab.

Habt ihr Anregungen oder Tipps? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare. Wie ich schon erwähnt habe, gibt es 1000 und eine Möglichkeit Bilder zu bearbeiten. Es gibt da nicht den einen Weg. So würde ich die Sache angehen, was nicht bedeutet, dass ein anderer Weg oder ein anderer „Look“ schlechter ist. Wichtig ist, dass ihr euch einen Workflow überlegt, der für euch funktioniert. Wenn ich das nächste Mal über Sterne schreibe, werde ich mich über die Aufnahme und Bearbeitung von Milchstraßen-Fotos auslassen. Bis dahin viel Spaß beim Fotografieren in der Nacht!


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