Kanada – Banff Nationalpark

Dann war es plötzlich endlich so weit. Wir sind im Banff Nationalpark im Bundesstaat Alberta angekommen. Der Park zählt wohl zu den bekanntesten Orten in Kanada und macht es einem schwer, die Kinnlade wieder hoch zu bekommen. Die drei Tage dort waren für uns in vielerlei Hinsicht ein echtes Abenteuer.


Schon die Aussichten vom Trans-Canada Highway gewaltig und als Lake Luise, unser Zielort im Park, auf den Schildern erscheint, schlägt mein Herz höher. Die meisten Bilder, die wir uns für die Reiseplanung angeschaut haben, kamen aus der Umgebung hier und wir hatten einen ganz besonderen Ort zum Übernachten für unseren kleinen Sohn, meine Frau und mich ausgewählt: Den Campingplatz in Lake Louise. Das hatte einige Gründe. Zum einen wollten wir mitten drin sein und nicht eine Stunde oder mehr zu den Highlights unterwegs sein und zum anderen war es auch ganz einfach eine preisliche Entscheidung. Die Lust auf ein echtes Familienabenteuer kam noch begünstigend oben drauf. Direkt ein Tipp: Rechtzeitig eine Parzelle auf dem Campingplatz reservieren!! Wir haben am Anfang Mai für Ende Juli gebucht und hatten nur noch einige Parzellen zur Auswahl. Auf dem Campingplatz gibt es schon einige tolle Orte zu enddecken, wie zum Beispiel den Bow River mit dem 3547 m hohen Mount Temple im Hintergrund.

Die größte Herausforderung war unser nicht ganz 9 Monate alter kleiner Mann. Unser Zelt hatten wir einige Tage zuvor in Kamloops gekauft und damit er im Zelt nicht zwischen irgendwelche Schlafsäcke gerät, haben wir ihm von zu Hause ein kleines Reisebett mitgenommen, sodass er sozusagen ein Zelt im Zelt hatte. Das Schwierigste, worüber wir im Vorfeld auch viel gelesen hatten und mit etlichen Locals gesprochen hatten, sind die kalten Temperaturen in der Nacht. Auch wenn man tagsüber mit Shorts und kurzem T-Shirt unterwegs ist, kann das Thermometer auch im Sommer nachts auf 5°C fallen. Wir haben also regelmäßig die Nackentemperatur geprüft und ihm nachts eine dicke Kleidungsschicht mehr angezogen. Das Hauptproblem ist allerdings nicht die kalte Temperatur mitten in der Nacht, sondern das Aufwärmen des Zeltes in den Morgenstunden. Wenn man rechtzeitig Schicht für Schicht wieder auszieht, kommt es aber nicht zu einer Überhitzung.

Mit dem Wissen, dass es viele vor uns schon gemacht haben und mit den nötigen Tricks konnten wir eine traumhafte Zeit auf dem Campingplatz verbringen und die Abende am Feuer aus selbstgehackten Holzscheiten sind unvergesslich!

Nach der ersten Nacht und ein paar netten Gesprächen mit unseren Nachbarn, Kanadiern polnischer Herkunft aus dem Bundesstaat Saskatchewan, haben wir uns zu in den Ort Lake Luise aufgemacht, der eigentlich nur aus einem großen Parkplatz mit Outdoor- und Souvenirläden sowie Cafés und Restaurants besteht. Kurz: Hier geht es nur um Touristen, wirklich leben tut hier niemand. Nach einem Kaffee im Laggan’s, der in den 3 Tagen sowas wie unser Stammladen wurde, ging es dann zum Lake Louise. Wahnsinn! Also der Ort und die Massen(!) an Touristen. Vielleicht hätte man etwas früher herkommen sollen, schließlich sind es nur ein paar Minuten vom Campingplatz bzw. Ortskern. Aber wir waren trotzdem einfach glücklich in unserem Abenteuer.

Nach einem kleinen Spaziergang und der Bewunderung der Hartgesottenen, die tatsächlich im eiskalten Wasser gebadet haben, sind wir dann zurück zum Campingplatz, um dort noch ein bisschen zu spazieren und in Ruhe zu Abend zu essen.

Am nächsten Morgen stand uns dann der Besuch des wahrscheinlich ikonischsten Ortes in Kanada bevor, dem Moraine Lake. Wieder ein Tipp: Die Zufahrtsstraße wird geschlossen, sobald der kleine Parkplatz voll ist, was meistens schon sehr früh der Fall ist. Wir waren um 6:30 Uhr Ortszeit am See und lange kann es nicht mehr gedauert haben, bis es dicht war. Fotografen und Besucher haben sich schon längst Plätze gesucht, um auf den Sonnenaufgang zu warten. Zum Glück habe ich noch einen sehr guten Platz entdeckt, der freie Sicht bot und über einen Schotterhang zu erreichen war und dann das:

So oft habe ich Bilder von dem Ort gesehen. Sei es als Windows-Hintergrund oder in Kanada-Werbeanzeigen. Ein kleiner Traum ist hier wahr geworden.

Am dritten Tag im Park haben wir die Zeit genutzt, um den Icefields Parkway nach Norden zu fahren. Die Strecke bis zum Peyto Lake gehört zu den schönsten Strecken, die ich je gefahren bin. Überall die pure Schönheit der Rockies bei Traumwetter – was für ein Glück!

Der Peyto Lake ist über eine kurze und einfache Wanderung zu erreichen und ist wiederum gigantisch. Unsere „Must sees“ hatten wir schon gesehen und alles weitere war einfach der Hammer, weil wir das nicht erwartet hatten. Beim Schreiben merke ich, wie sehr ich nochmal herkommen möchte.

Am Bow Lake wurde leider das Wetter etwas schlechter, was zu einem leckeren Kaffee und netten Gesprächen in der Simpson’s Lodge geführt hat. Trotzdem war es klasse, hier am Kiesufer auf die gewaltigen Berge zu schauen.

Die Reise ging nach der tollen Zeit in Lake Louise weiter nach Calgary, was wir uns unterwegs aber nicht nehmen lassen wollten, war die Seilbahnfahrt vom Sunshine Valley auf die Sunshine Meadows (frei übersetzt ’sonnige Wiesen‘). Hier hat man selbst bei „smoke haze“ (2018 war leider ein schlechtes Jahr, was Waldbrände angeht) und Wolken einen Traumblick. Hier gibt es auch saftige Bergwiesen mit einer Vielzahl an alpinen Blumen.

Wieder an der Talstation geht es zurück zum Trans-Canada Highway in Richtung Osten. Ground Squirrels, zu Deutsch Ziesel oder Erdhörnchen, trifft man hier überall – auch bei einer kurzen Rast direkt am Highway.

Schließlich haben wir unseren Besuch im Park mit einem kleinen Spaziergang durch das Örtchen Banff beendet. Hier findet man alles, was der Tourist braucht, aber auf eine sehr gemütliche Art und Weise. Hier trifft man alle, die den Park auf ihre Art bereisen: Alpine Kletterer, Wohnmobil-Reisende, Wanderer und Gruppen.

Für uns heißt es Abschied nehmen – garantiert nicht für immer! Wir steuern Calgary an und erleben erneut ein völlig anderes Kanada.

Yoho Nationalpark <- Übersicht -> Calgary

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