Roadtrip Portugal #3 – Zwischen Porto und Lissabon

Von Lissabon – dem Endpunkt unserer Camper-Tour – ist man mit dem Zug in gut 3 Stunden in Porto angekommen. Wir nehmen uns mehr Zeit – knapp eine Woche – um die wilde Atlantikküste zwischen den Metropolen zu erkunden.


Wir wählen unsere Homebase quasi geometrisch: nahezu exakt zwischen Lissabon und Porto liegt das Städtchen Figuera da Foz, ein (ehemals) mondänes Seebad und Ausflugsziel für die Städter. Man merkt der Stadt diese Charakteristik an: Länglich entlang des (gigantischen) Strandes mit reichlich Bausünden, aber auch einer guten Infrastruktur für Besucher. Während unserer Zeit hier ist der Ort geradezu grotesk leer. Im Oktober scheint niemand in die Ferienwohnungen zu wollen. Wir haben unseren Teil des Gebäudekomplexes wortwörtlich für uns.

Noch bevor wir in unserer neuen Basis ankommen machen wir einen Abstecher in das Städtchen Peniche. Die Silhouette der Küste zieht uns an: Ausgestülpt liegt das Örtchen exponiert im atlantischen Ozean. Über eine kleine Brücke ist der Ort mit einem vorgelagerten Felsen verbunden, über den zu spazieren wirklich ein Genuss für jeden Wasserfreund ist.

Ich habe es schon mehrfach beschrieben und auch hier kriegt es mich wieder: Das wilde Krachen der Wellen, der starke Wind in der kühlen Luft, aufgewärmt durch die direkte Sonne. Traumhaft. Es sind wie an den Meisten Orten zu dieser Jahreszeit nicht viele Menschen hier. Platz und Zeit die ND-Filter auszupacken um die Bewegung und Energie des Meeres mit auf das Foto zu bannen.

Wir essen noch was im eher unscheinbaren Stadtkern und machen uns dann weiter auf den Weg in Richtung Norden. Wer an Peniche vorbeikommt sollte einen kleinen Zwischenstopp einlegen. Extra anreisen muss man nicht.

Wir kommen recht spät in Figuera an. Das AirBnB ist geräumig, wenn auch etwas leblos. Egal, wir planen hier noch die minimale Zeit zu verbringen und starten sofort an den Strand. Mit seinen nun verlassenen Sportstätten und Wegen versprühen Strand und Promenade etwas melancholisches.

Es gefällt uns trotzdem / deswegen ganz gut. Als Basis ist der Ort definitiv zu empfehlen, auch wenn er ansonsten wenig zu bieten hat. Ein kurzer Spaziergang entlang der Promenade, des Hafens und am Strand und das Örtchen ist soweit erschöpft. Ein guter Ort, um einen Tag ausklingen zu lassen.

Von Figuera da Foz aus direkt in östlicher Richtung liegt die Universitätsstadt Coimbra, ein hübsches Highlight der Region – definitiv einer der schönsten urbanen Orte unserer Reise. Zum einen ist da die belebte Hauptstraße an der es an allen Ecken und Enden schöne Möglichkeiten zur Einkehr gibt: vom Kebap bis zum Steakhaus ist alles möglich.

Seinen wirklichen Reiz entfaltet die Stadt aber, wenn man sich in eine beliebige Gasse entlang der steilen Hänge weg vom Fluss Mondego schlägt.

Hier wirkt das Städtchen noch ursprünglich, kleine Restaurants und Bars liegen an winzigen Plätzen und es macht einfach Spaß planlos den einen oder anderen Weg einzuschlagen. Ganz wichtig: Eis kaufen bei der Gelateria Cosi (in der Nähe des Torre de Almedina ein Stück bergauf). Best Ice ever!

Und auch in der kleinen Galerie ein Stück weiter oben kann man mal stöbern, wir sind hier für unseren Sohn fündig geworden. Die Künstlerin malt die Bilder direkt im Laden.

Coimbra hat des weiteren einiges an Bausubstanz zu bieten: Alte und neue Kathedrale, Universität und dergleichen mehr, was sich durchaus auch lohnt. 

Aber ich bleibe dabei: Der wahre Reiz liegt in den Gassen. Übrigens: der Streifen an glatten Steinen (den man fast überall findet) ermöglicht es Rolli-Fahrern oder Kinderwagenschiebern recht komfortabel durch die Gassen zu kommen. Ziemlich geile Idee.

Tingelt man durch die Region trifft man immer wieder auf kleine Möglichkeiten für Zwischenstopps. Die maurischen Einflüsse haben an vielen Stellen ihren Fußabdruck hinterlassen und wirken entrückt und exotisch. Schöne Orte für das kleine Picknick mit den Kindern.

Die Welt ist klein. Wir treffen uns mit Freunden in Figuera (zufällig gleiche Reisezeit) und suchen nach einem gemeinsamen Ziel für den Tag. Die Wahl fällt auf Nazaré, ein Ort der jedem Surfer ein Begriff ist. Wer es nicht kennt, dürfte sich hierfür interessieren:

Zugegeben: Bei uns waren die Wellen nicht so groß. Geschmeidige 6m, also 5x kleiner als das Maximum. Trotzdem unfassbar beeindruckend.

Beobachten kann man all das von einem zu einer Surfer Hall of Fame umgebauten Leuchtturm, der auf einer gigantischen Felszunge über der eigentlichen Stadt thront. Das Bild unten ist keine Drohnen-Aufnahme sondern ein Blick herunter von diesem Felsen. Entsprechend saust der Wind einem um die Nase. Ein absolutes Spektakel, dass ich nur jedem empfehlen kann.

Und wenn man schonmal da ist sollte man direkt noch eines der Nationalgerichte probieren – Francesinha. Dabei handelt es sich um einen in Bier-Tomatensauce schwimmenden(!), überbackenen Toast der mit einem Wust aus Wurst und Fleisch belegt wurde. Nur original mit ebenfalls durchgesuppten Pommes. Speziell, aber was man so hört ein absolutes Muss.

Wir lassen die Woche mit einer leeren Versprechung ausklingen: Das Venedig Portugals – Aveiro. Der Ort ist schon deutlich näher an Porto als an Figuera, aber die Umschreibung hat uns gelockt. Gondeln und Grachten gepaart mit portugiesischer Architektur. 

Und ein kleines, ganz kleines Bisschen stimmt das auch. Der Ort selbst ist ganz nett, nichts besonderes, wird aber durchzogen von einem künstlichen Becken – so wie auf diesem Foto.

In diesem Becken stapeln sich die Boote und davor die üblichen Touristenhäscher um die Menschen auch bei unserem bescheidenen Wetter auf die Boote zu locken. Das wars. Aveiro war leider die Enttäuschung der Woche. Einziges Mitbringsel: Ein klein bisschen Street-Fotografie.

So endet eine ansonsten sehr schöne Woche an der Atlantikküste zwischen Lissabon und Porto. Bei der Fahrt in Richtung Porto haben wir auch das erste mal schlechtes Wetter. So richtig schlechtes Wetter. Oder wusstet ihr das Google Maps „Straße voraus überflutet“ sagen kann?

Somit endet die dritte Woche und der dritte Teil unserer Reise. Wir freuen uns schon auf Porto, und das könnt ihr auch mit dem nächsten Artikel. Danke für euer Interesse.

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2 thoughts on “Roadtrip Portugal #3 – Zwischen Porto und Lissabon

  1. Jürgen Reply

    Ooooh – Fernweh! So eine Route ist bei uns auch noch auf der Agenda. Und dann so schöne Bilder davon zu sehen… . Schade, dass das Ziel zurzeit so weit weg scheint. Trotzdem vielen Dank für die Imressionen!

    1. Daniel Reply

      Vielen Dank.
      Es löst auch bei mir schon wieder eher Fernweh aus, als es zu stillen.
      Vorfreunde ist ja bekanntlich… Ich kann es auf jeden Fall nur empfehlen.

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