Roadtrip Portugal #4 – Porto

Unsere letzte Etappe ist mehr eine Städtereise denn ein Roadtrip. Wir geben unseren Mietwagen ab und genießen die letzten Tage unserer Reise bei einem wirklichen Highlight Portugals: Porto. Kommt mit.


Wir kommen vollkommen durchnässt (Kommentar Google Maps: „Straße Vorraus überflutet“) in Porto an. Von der Hausnummer unseres AirBnB in der Zielstraße keine Spur. Sind wir betrogen worden? Der Start in Porto kann sich mit dem Katastrophenstart in Lissabon durchaus messen.

Ein Glück, dass sich alles aufklärt. Wir sind auf der falschen Seite des Douro, dem Grenzfluss zwischen Porto und Vila Nova de Gaia – zwei Städte die sich anfühlen wie Stadtteile und auch gemeinsam eine Metropolregion bilden. Einige Sehenswürdigkeiten – wie die Portweinkeller – befinden sich nämlich gar nicht in Porto sondern auf der anderen Seite des Douro. Das obrige Panorama zeigt die Schwesterstadt von Porto aus gesehen. Nach einer kurzen Horrorfahrt durch unter anderem diese Gasse kommen wir spät, kalt und abgekämpft in unserem recht hübschen Domizil an. Ein hervorragend gelegenes, wie sich am nächsten Tag noch herausstellt.

Wir starten am nächsten Morgen in Richtung Flusspromenade und sind ganz spontan mal begeistert. Davon, dass wir nach 2 Minuten Fußweg an der Promenade von Gaia stehen, vor historischen Port-Kähnen, zwischen Bars, Restaurants und Portweinkellen und vor einem beeindruckenden Panorama der Stadt Porto.

Porto schmiegt sich an Ufer und Berge entlang des Flusses und – das wird hier schon klar – ist immens steil. 60 Meter ist die berühmte Brücke Ponte Dom Luis I hoch – und beide Ebenen verbinden Teile der Stadt mit 50 Metern Höhenunterschied. Schon der Weg über die untere Ebene mit 10m Höhe ist beeindruckend und empfehlenswert. Erst ein paar Tage später gehen wir auch über die obere Ebene.

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Und so kämpfen wir uns am ersten Tag denn vom Fluss aus hinauf bis zur Kathedrale. Ein Spaziergang der wieder einmal zeigt, dass in Portugal häufig der Weg das Ziel ist.

Denn Porto scheint mir, mehr noch als andere Orte in Portugal, jene zu belohnen, die einfach durch die Stadt stromern. Das geht hier auch noch einmal besser als in Lissabon. Die Stadt scheint weniger in Stadtviertel und Sehenswürdigkeiten unterteilt als die Hauptstadt. Und Porto gibt einem mehr von diesem „havannischem“ Charme von abblätternder Farbe und bröckelndem Putz.

Ein Teil des belohnenden Gefühls kommt in Porto definitiv von der Straßenkunst – wie auch in anderen Städten Portugals. Wer mit offenen Augen durch die Straßen und Gassen geht – auch und gerade durch die kleinen – findet Kunstwerke unterschiedlichster Art und Größe präsentiert oder versteckt. Allein das macht diese Orte einfach unglaublich sympathisch.

Neben Street Art probieren wir hier auch zum ersten mal portugiesisches Street Food: Heiße Maronen in Salzkruste – etwas das ich in Deutschland nur ohne Salzkruste und vom Weihnachtsmarkt her kenne. Richtig gut.

Insgesamt fällt es hier leicht, etwas zu Essen oder generell zum Verweilen zu finden. Das mag komisch klingen, denn natürlich war auch Lissabon voll von Restaurants. Aber während die Hauptstadt gefühlt keine Mitte zwischen Imbiss und hochpreisig findet, bietet Porto genau das: Sympathische, kleine Läden mit richtig gutem Essen zu wirklich fairen Preisen. Ich empfehle diesen Salat aus der Rua Afonso Martins Alho, das Restaurant am Kopfende der kleinen Sackgasse (Name vergessen :-)). Wer dort speist ist übrigens direkt neben der großen, blauen Katze namens „Cobalt Cat.“

Und noch die Empfehlung für diese Markthalle direkt an der Douro-Promenade in Gaia. Hier gibt es viele kleine Stände die unterschiedlichstes Essen und Trinken anbieten – manche auch nur ein einziges Gericht. Jeder sucht sich was aus und man trifft sich an einem der Tische in der Mitte. Großartig.

Das Essen ist für mich in diesem Fall ein Sinnbild der ganzen Stadt und beschreibt, was Porto für micht so besonders macht: Es ist unaufgeregt, nicht übertrieben, einladend und in dem was es bietet gut. Parks, Aussichtspunkte, Gassen, Prachtbauten und dergleichen mehr.

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Am Ende eines langen Tages beschließen wir den frühen Abend in einer der vielen Portweinkeller von Vila Nova de Gaia (und eben nicht Porto) ausklingen zu lassen. Die Auswahl ist groß und – ganz ehrlich – ich behaupte es ist egal, welche Führung man mitmacht. Bei Sandeman werden zu vielen Zeiten vielsprachige Führungen angeboten die empfehlenswert sind. Bei anderen aber auch.

Wer schonmal an etwas wie einer Brauereiführung teilgenommen hat, erlebt wenig Überraschungen. Dekorativ beleuchtete Fässer und ein abschließendes Tasting, so lässt sich das ganze kurz zusammenfassen. Eine Empfehlung für schlechtes Wetter oder ausreichend Zeit – eher kein muss. Die Führung kann man auch gut mit Kind und Kinderwagen mitmachen. Bei den unterschiedlichen Portweinen kommt man auch noch nett ins Gespräch mit den anderen Reisenden. 

Ist man schonmal hier, kann man den Abend ganz wunderbar auf der Douro-Promenade von Vila Nova de Gaia ausklingen lassen. Und wenn man nicht „schonmal hier ist“ lohnt es sich definitiv einen kleinen Abstecher hinüber zu machen. Zum einen gibt es reichlich Essen und Trinken, zum anderen tolle Perspektiven auf das nächtliche Porto und die Ponte Dom Luis I.

Von hier – der Uferpromenade – führt eine kleine Seilbahn hoch zu dem ehemaligen Kloster Serra do Pilar. Die Führung durch das Kloster führt auch auf die Kuppel der Kirche, was einen fantastischen und einzigartigen Blick über das Douro-Tal auf die Städte gewährt. 

Auch hier würde ich die Empfehlung zeitabhängig machen. Es ist sehr schön, aber wer ein knappes Zeitbudget hat wird mit dem Blick von der Brücke selbst ebenfalls zufrieden sein. Man darf sich hier oben frei bewegen und auch die Seiten wechseln, obwohl in der Mitte das Gleisbett der Straßenbahn verläuft. Aufgrund des sehr unmittelbaren Empfindens der Höhe ist das Gesamterlebnis auf der Brücke sogar noch intensiver als auf dem Klosterdach. Wer nicht schwindelfrei ist, muss sich wirklich überwinden.

Unter der Brücke auf dem Douro pendeln Ausflugsboote in Form der alten Lastkähne. Zwischen Tagesausflug weit den Fluss hinauf (mit anschließender Zugfahrt zurück) bis hin zum einfachen Übersetzen kann man eigentlich jede Größenordnung finden. Wir haben um eine gewisse Ruhephase für die Kinder einzuschieben die „7-Brücken-Tour“ gemacht. Wer wie wir am Ende der Promenade auf Seite Vila Nova de Gaia einsteigt hat noch freie Platzwahl. Spätestens auf der Porto-Seite wird es voll. Die Tour selbst ist nett, aber insgesamt eher unspektakulär und eigentlich kaum informativ. Trotzdem bekommt man für die Kinder und sich selbst so ohne Anstrengung etwas Zeit rum. Und die das Tal überspannenden Brücken sind allesamt beeindruckende Bauwerke. Zum Ausspannen gerade mit Kindern eine schöne Aktivität.

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Für einen Tag verlassen wir Porto dann noch einmal – das Douro Tal hinauf. Das Anbaugebiet der Portweinwinzer soll sehenswert und stimmungsvoll sein. Wir mieten einen Wagen in Gaia (was einfacher und entspannter geht, als in Porto) und fahren ins Landesinnere in Richtung Pinhao. Leider spielt das Wetter nicht mit, was ein wichtiger Bestandteil der Stimmung des Tals gewesen wäre. Nicht unbedingt Wärme, aber das Spiel von Licht und Schatten.

Der Reiz des Tals liegt meines Erachtens mit im „Erfahren“ werden. Der Blick aus dem Fenster mit gelegentlichem Vista-Stop. Im Nachhinein keine herausragende Idee mit zwei Stöpseln auf der Rückbank. In Zukunft würde ich die Tour ganz klar vom Wetter abhängig machen, da der Ort seine Stimmung sonst nicht so ganz entfalten kann. Pinhao ist dabei ein guter Eckpunkt für einen Ausflug von Porto aus. Zwar gibt es wohl ein paar Touristenfallen, aber auch sehr gute – wenn auch winzig kleine Läden. Empfehlung – nicht nur von uns: Geht ins O-Por-Co. Hier gibt es Tapas-Platten und Wein – ein Laden aus der Kategorie: Der Inhaber hinter dem Tresen hat sämtliche Schinken des Landes probiert und serviert hier seine beiden Lieblinge. Das ganze wird serviert mit netten Gesprächen.

Zurück in Porto reihen wir uns in die Schlange zu der legendären Buchhandlung Livraria Lello ein. Eine verwunschene Buchhandlung wie sie in Harry Potter vorkommen könnte (und Joanne K. Rowling wohl auch inspiriert hat). Wer hier hin will, sollte entweder früh da sein oder Geduld haben: Die Schlange geht über die Straße über locker 50 Meter. Wir stellen uns brav an und werden direkt von einem Aufseher wieder rausgewunken: Kinder haben Priorität, ab nach vorne und rein. Die Buchhandlung ist der absolute Wahnsinn. Diese Treppe…

Aber: Es ist teuer (12,50€ Eintritt, 5€ davon als Buchgutschein einsetzbar) und es ist voll. Besonders hervor tuen sich die Asiaten, die auch gerne mal rempeln oder den kompletten Verkehr blockieren, um ein Selfie zu machen. Von den im Reiseführer versprochenen alten Herren, die in Diskussion über Literatur einen Kaffee trinken gibt es vermutlich schon seit Jahren keine Spur mehr. Hier mal ein paar Stunden alleine zu verbringen muss magisch sein.

Ich hätte mein kleines Gorillapod mitnehmen sollen. Vielleicht hätte man mit Photoshop einen leereren Eindruck – zumindest der Treppe – erreichen können. Egal: So beschreiben die Fotos die Realität ganz gut.

Später am Tag gönnen wir uns noch einen der Prachtbauten der Stadt, den Palacio de Bolsa, sowas wie die Handelskammer. Die Führung ist auf Englisch in einer kleinen Gruppe und man hat als Fotograf auch Bewegungsfreiheit um Fotos ohne Menschen hinzubekommen. Und die lohnen sich meiner Meinung nach durchaus.

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Wer Spaß an Besichtigungen hat, kommt in Porto ohne Zweifel auf seine Kosten. Um allen in unserer Truppe gerecht zu werden belassen wir es dabei. Und damit neigt sich unsere Zeit langsam dem Ende zu. Wir lassen den Abend – wie eigentlich jeden Abend – und jetzt auch den Urlaub auf der Promenade von Vila Nova de Gaia ausklingen. Im Trubel zwischen entspannten Menschen, Einheimischen und Touristen, mit den Klängen der Straßenmusiker im Ohr. 

Die Stadt belohnt uns mit einem traumhaften Sonnenuntergang und verabschiedet uns gebührend aus vier wunderbaren Wochen Portugal. Schon jetzt habe ich wieder Fernweh nach dieser Stadt und vielen Stationen unserer Reise. Ich werde bestimmt noch mal wiederkommen, wenn sich die Chance ergibt. Und um die Frage aus Woche eins aufzulösen. Wenn ich die Wahl hätte: Porto! Damit vielen Dank für Euer Interesse.

 

 

 


2 thoughts on “Roadtrip Portugal #4 – Porto

  1. Marcel Reply

    Schöner Bericht und tolle Eindrücke. Ich habe schon von so vielen Leuten so viel schönes über Porto gehört. Als ich damals zu einem Tagesausflug in Porto war, hat es mir überhaupt nicht gefallen. Es war bewölkt, leichter Nieselregen. Alles war grau, alt und die Farbe kam überall von den Wänden. Die Brücke war komplett eingepackt in ein Baugerüst, weil sie saniert wurde. So viel haben wir am Ende des Tages nicht gesehen und waren recht enttäuscht. Aber das scheint ein sehr isoliertes Problem des Tages gewesen zu sein.
    Ich werde irgendwann noch mal zurückkehren und mich von der schönen Seite Portos überzeugen.
    In Lissabon war es damals schöner, die Sonne schien, die Häuser waren bunt, das Leben pulsierte. Aber wie gesagt, es steht und fällt mit dem Wetter und die Zeit, die man für eine Erkundung hat.

    1. Daniel Reply

      Porto und Lissabon spalten die Gemüter. Ich war Recht enttäuscht von Lissabon. Es ist also durchaus möglich, das Porto einfach nicht das Richtige war. Aber wenn sich die Chance nochmal bietet kann ich nur empfehlen dem Ganzen noch einmal eine Chance zu geben (und natürlich auf entsprechendes Wetter zu hoffen). Porto ist einer meiner Lieblinge in Europa.
      Danke auch für das Lob 🙂

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