Farbkalibrierung – Miniserie 3/3: DisplayCal und Spyder / EX3

In den letzten Teilen ging es ganz allgemein um die Farbkalibrierung, deren Notwendigkeit, Sinn und theoretischer Funktionsweise (hier und hier). Heute wird es konkret und wir passen unser Set-Up mit der kostenlosen Software DisplayCal und einem beliebigem Colorimeter an.


Beginnen wir mit den verwendeten Gerätschaften: Zum einen hätten wir da die eben angesprochene Software DisplayCal. Diese ist kostenlos und Open Source. Das ist aus zwei Gründen interessant: Erstens limitieren einige Hersteller die Verwendung ihrer Software, was beim Gebrauchtkauf zu Problemen führen könnte. Zum anderen liegen die Unterschiede z.B. der Spyder-Geräte* nicht in der gekauften Hardware sondern ausschließlich in der Software – und alle Funktionen bekomme ich kostenlos mit dem hier vorgestellten Programm. Für Spyder-Käufer und -Besitzer bedeutet das: Elite zum Preis von Express.

AnzeigeMessgeraet

Als Hardware habe ich mich für den Eizo XE3* entschieden. Hierbei handelt es sich effektiv um einen Spyder5 (das Gerät wird auch als solches von Windows erkannt), allerdings ohne Software ausgeliefert und deswegen etwas günstiger als der Spyder Express. Eigentlich vertreibt Eizo das Colorimeter exklusiv zur Verwendung an den eigenen Monitoren, aber DisplayCal sei Dank gilt diese Limitierung nicht.

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Die Installation von DisplayCal (DC) ist zwar kein Selbstläufer, aber letztendlich nicht kompliziert. Nach der einfachen und geführten Installation braucht es zusätzlich das Programm ArgyllCMS (hier herunterladen) an einem beliebigen Ort – DC fragt sobald nötig nach dem Ablageort. Weiterhin sind Argyll-speziefische Treiber für die Colorimeter nötig, die aus DisplayCal direkt heruntergeladen werden können – siehe Screenshot.

ArcgyllCMS Treiber Installation - Display Cal

Hierzu erst wie im Screenshort oben dargestellt die Treiber herunterladen und installieren (es sollten zuvor keine Hersteller-Treiber installiert werden). Abschließend Korrekturen der Hersteller wie im unteren Teil des Screenshots aktivieren. Hierzu einfach die original Software herunterladen und die Installations-Datei auswählen. Hiermit ist das Programm bereit für den ersten Einsatz.

Noch einmal zusammengefasst die Schritte:

  • DisplayCal installieren
  • ArgyllCMS installieren
  • DisplayCal starten und bei Nachfrage auf ArgyllCMS verweisen. Man kann dies provozieren indem man auf das Aktualisieren-Icon im Tab „Anzeige & Messgeräte“ klickt.
  • Treiber für das Colorimeter installieren
  • Korrekturen für das Colorimeter durch Verweis auf die Softwareinstallationsdatei des Herstellers installieren

Generell gilt: Sollte es Probleme geben bekommt man im offiziellen Forum einfache und direkte Hilfe vom Hersteller selbst.

Stellen wir die Software nun für unsere erste Kalibrierung ein. Die von mir verwendeten Werte basieren auf einer Mischung aus Internetrecherche und probieren. Farbkalibrierung ist leider selten in einem Schritt getan, deswegen benutzt meine Einstellungen gerne als Ausgangspunkt für eure Kalibrierung und schaut, wie weit diese euch bringen. Um die Einstellungen nachvollziehen zu können aktiviert noch unter Optionen -> Erweiterte Optionen anzeigen.

Noch ein Hinweis vorweg: Grundlegend bietet DisplayCal einige Vorlagen als Ausgangspunkt an – unter anderem für Photo. Hierbei wird der Weißpunkt, so etwas wie die angenommene Farbtemperatur, auf 5000k festgesetzt. Dies passiert mit dem ultimativen Ziel ein Druckerzeugnis zu erstellen und ist auf dem Bildschirm eine extrem warme Form der Darstellung. Mittlerweile rücken wohl auch viele im professionellen Bereich von dieser Annahme ab. Aus diesem Grund empfehle ich die Vorlage zumindest ohne entsprechende Anpassungen nicht zu verwenden!

Beginnen wir unsere Kalibrierung mit dem Tab Anzeige und Messgerät. Selbige dürften feststehen, nur bei Zwei-Bildschirm-Setups muss man die entsprechende Auswahl treffen. Zwei Bildschirme sind übrigens auch einzeln zu kalibrieren. Ist man sich beim Modus der Messung unsicher, kann diese guten Gewissens auf LCD (generisch) belassen werden. Hat man aber keinen Spezial-Monitor kann gerade bei aktuelleren Geräten von einem LCD (Weisse LED) ausgegangen werden. Da man das Gerät generell eine halbe Stunde aufwärmen lassen sollte – also niemals einen gerade gestarteten Bildschirm kalibrieren – sind die Kompensierungseinstellungen für uns eigentlich nicht relevant. Auch der Wertebereich kann auf automatisch belassen werden, da die Erkennung durch DisplayCAL nie ein Problem war. Die weiteren Einstellungen verbleiben auf Standard. Ein Detail für die Eizo-Nutzer: Erkannt wird als Messgerät der Spyder 5.

AnzeigeMessgeraet

Zum Tab Kalibrierung. Diese bezieht sich auf die eigenschaften des verwendeten Monitors. Die erste Option ist die Interaktive Anzeigegeräte-Einstellungen. Aktiviert misst das Colorimeter Helligkeit sowie Farbwiedergabe des Monitors bei einer neutralen Ausgabe der Kanäle Rot, Grün und Blau sowie die allgemeine Helligkeit. Da die Kalibrierung nicht wirklich am Monitor sondern eigentlich an der Grafikkarte stattfindet, ist das Ziel dieses Schrittes manuell alle Farbverschiebungen durch den Monitor selbst zu minimieren um diesen als Fehlerquelle auszuschließen. Dies macht zwar immer Sinn, ist aber nicht immer möglich. Einige Bildschirme können die Farbkanäle hardwareseitig nicht getrennt regeln, was leider für eigentlich alle Laptop-Displays gilt. Weiterer Vorteil dieser Vorkalibrierung: Auch Programme, die nicht mit einer Farbkalibrierung umgehen können und diese quasi aktiv ignorieren, können so eine möglichst neutrale Darstellung erreichen.

Für wichtig halte ich noch Weißpunkt und Luminanz. Hier werden bei automatisierter Messung als Schwarz, Weiß und Temperatur die tatsächlichen Werte des Monitors genommen, die sich in der Lebenszeit des selbigen übrigens durchaus verändern können. Deswegen sollte man auch in gewissen Abständen nachkalibrieren. Hat das finale Bild einen offensichtlichen Farbstich in Richtung warm / kalt, kann man den Weißpunkt hier noch einmal manuell anpassen. Ich habe ein leicht kühleres Setup mit einer Temperatur von 7000k (+500 im Vergleich zum Standard) gewählt.

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Weiß- und Schwarzluminanz sowie Beobachter (wissenschaftliche Annäherung an die Wahrnehmungseigenschaften von Menschen) habe ich auf den Standardwerten belassen. Die Tonwertkurve, also unsere Referenz bei der Kalibrierung steht auf dem Industriestandard sRGB.

Ein Wort zur Option Kalibrierungsgeschwindigkeit: diese kann auf „Hoch“ belassen werden. Laut Internetgemeinde ist der Präzisionsgewinn von langsameren Varianten gering, von der schnelleren Option jedoch spürbar reduziert. Wer es ganz präzise haben möchte, muss die Kalibrierung ansonsten über Nacht laufen lassen.

Passen wir nun die Profilierung an. Hier geht es nun der Grafikkarte an den Kragen. Als Profiltyp würde ich für Fotografen(!) Kurven + Matrix empfehlen. Präzisere Verfahren wie LUTs (Look up Tables) werden von vielen Programmen – so auch Lightroom – nicht direkt unterstützt und sind eher für Videographen interessant. Somit ist eine Kalibrierung der Ausgabegeräte über Kurven und Matrix die bessere Variante, da diese betriebssystemweit zur Verfügung gestellt wird. Eins vorweg: Das bedeutet leider nicht, dass alle Programme (Windows Foto-Vorschau) diese auch verwenden. Als Testform bietet sich die automatische Optimierung an. Achtet darauf, dass ein Verändern von Werten – beispielsweise der Feldanzahl – in diesem Fenster automatisch zu einer Veränderung des Profiltyps führen kann. Wer also die Feldanzahl erhöht kann trotz Profiltyp Kurven + Matrix auf einmal Lookup-Tables erstellen.

Wählt zuletzt noch einen vielsagenden Profilnamen – die automatisch generierten werden euch (und mir) nämlich bei der anschließenden Identifikation kaum helfen.

Profilierung

Die Einstellungen für den ersten Testlauf sind abgeschlossen. Nun beginnt der eigentliche Prozess durch einen Klick auf Kalibrieren & Profilieren. Generell wird man durch den Prozess geführt. Für euch hier ein kleiner Überblick vorweg: Zuerst wird der Colorimeter auf dem Display an der vorgegebenen Stelle platziert. Der Bildschirm sollte leicht gen Decke gekippt werden, damit das Gerät sicher aufliegt.  Ich empfehle weiterhin die Option „Schwarzer Hintergrund“ zu aktivieren, damit die Darstellung der Testfarben nicht durch sonstige Elemente auf dem Bildschirm beeinflusst wird. Wichtig: So ist der PC während der Kalibrierung jedoch unbrauchbar und auch die Kontrollelemente wie abbrechen und pausieren sowie die Fortschrittsanzeige sind (bei Nutzung von nur einem Bildschirm) nicht mehr sichtbar! Wer sich unsicher ist, sollte diese Option also erst beim zweiten Durchlauf aktivieren, um während Nummer eins ein Gefühl für den Prozess zu bekommen.

Hat man die interaktive Anzeigegeräte-Einstellung aktiviert kann man den Bildschirm nach dem automatischen Start des Colorimeter (dauert ca. 1 Minute) über einen Klick auf „Messung Starten“ kalibrieren. Achtet darauf, wo euer Bildschirm sein Konfigurationsmenü anzeigt. Dies sollte sich natürlich nicht mit der Messfläche überschneiden. Der Colorimeter misst nun die aktuellen Werte und die Software zeigt diese sowie die Idealwerte für RGB sowie die Helligkeit genau in der Mitte der Balken an. Über das Menü des Bildschirms(!) können die Farbkanäle nun modifiziert werden. Hierzu den Menüpunkt mit den RGB-Kanälen finden, häufig „Gain“ genannt, und entsprechend anpassen. Dies ist ein iterativer Prozess. Der eingestellte Rot-Wert kann nach Modifikation des Blau-Wertes noch einmal leicht verschoben sein und neu angepasst werden müssen. Diese Werte sollte man sich notieren, da sie nicht im Profil abgespeichert werden!

Ganz wichtig:In diesem ersten Schritt kalibriert ihr eure Hardware. Es macht an dieser Stelle also keinen Sinn anhand der Windows Farbanpassung zu arbeiten: hierbei handelt es sich ja ebenfalls um eine softwareseitige Kalibirierung, die wir erst noch vornehmen wollen. Es kann wie bereits erwähnt (bei z.B. Laptops) einfach sein, dass ihr nicht nicht die Möglichkeit einer Hardwarekalibrierung habt.

Interaktive Messgerätanzeige
Interaktive Anzeigegeräte-Einstellung mit DisplayCAL – rechts das Messfeld für den Colorimeter

Ist der Zielwert erreicht – die Textangaben werden dann grün angezeigt – oder zumindest annährend  genau kann die Messung gestoppt und die Kalibrierung gestartet werden. Der nun folgende Prozess läuft selbständig ab. Gerade bei dunklen Messungen ist dies für das menschliche Auge schwer zu verfolgen und dauert länger, also nicht ungeduldig werden und das Gerät alleine werkeln lassen. Habt ihr den Sound aktiviert gelassen, bekommt ihr auch eine (auf Dauer etwas nervige) Ton-Bestätigung. 45 Minuten haben die gegebenen Einstellungen bei meinen Bildschirmen jeweils gebraucht.

Ist die Kalibrierung fertig bekommt man eine kleine Zusammenfassung. Wie groß ist der Farbraum, wie verhält er sich zu unserem gewählten Referenzraum (wir erinnern uns: sRGB) und so weiter. Man kann auch noch zwischen der unprofilierten und profilierten Ansicht umschalten, was ganz interessant ist. Für mich war auffällig, dass der Bildschirm dunkler wirkte und deutlich in einen warmen Farbraum verschoben schien. Da Bildschirme aber wie gesagt häufig etwas kühl abgestimmt vom Hersteller kommen und prinzipiell zu hell ausgeliefert werden, ist das nicht weiter ungewöhnlich. Es fühlt sich aber im ersten Moment statt nach besserer Farbe nach einem Qualitätsverlust an.

Gerätereport

Nun sollte man den Tab Überprüfung besuchen, denn die Kalibrierung findet nur im Rahmen des Möglichen statt. Um den tatsächlichen Kalibrierungserfolg zu kennen, muss der selbige noch überprüft werden. Hier als Start die Testform „Überprüfungs-Testform“ auswählen. Diese deckt alles Wichtige ab und ist schnell abgeschlossen. Ein Simulationsprofil ist nur nötig, wenn ihr auf ein spezielles Ziel (z.B. 100% sRGB) kalibriert. Einer meiner Bildschirme übertrifft sRGB jedoch um 140%, was dann zu einem schlechten Resultat führt, da es „positive“ Abweichungen gibt. Deswegen empfehle ich vorerst ohne Simulationsprofil zu arbeiten. Als Ergebnis der Überprüfung wird das Delta für unterschiedliche Farben in „deltaE“ angegeben. Die dafür verwendete Formel ist eigentlich unerheblich, wichtig ist das alles unter 0,5 als nicht wahrnehmbarer Farbunterschied gilt, bis 1 als nur von Fachleuten und unter 2 als geringer Farbunterschied. Ab hier ist der Farbunterschied für jedermann sichtbar bis hin zur Wahrnehmung einer anderen Farbe ab 5.

Oben seht ihr die Ergebnisse meines Monitors, der einzig im dunkelblauen Bereich merklich abweicht sowie scheinbar im dunklen Bereich etwas zu hell arbeitet.

Professionelle Software bzw. jegliche Software mit klarer Ausrichtung auf Bilder – Lightroom, Photoshop, GIMP oder auch IrfanView – werden ab sofort mit diesen Profilen arbeiten. Leider gitl das nicht für jegliche Software – traurige Beispiele sind der Fotoviewer von Windows oder auch Firefox, wenn die Profilbenennung eines Bildes nicht standardisiert ist. Dann kann das Ergebnis je nach Monitor wirklich grausig aussehen, gerade bei solchen, die Standard-Farbräume übersteigen (Wide Garmut Displays). Mich hat es einige Nerven gekostet, das zu verstehen.

Von hier an gilt es die Problembereiche der Kalibrierung eigenverantwortlich anzugehen oder sich über das nun farbkalibrierte Bild zu freuen. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr nicht euren ganzen Lightroom-Katalog nacheditieren müsst.


2 thoughts on “Farbkalibrierung – Miniserie 3/3: DisplayCal und Spyder / EX3

  1. Byorn Comia Reply

    Vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung des Prozesses. Ich benutze auch das Eizo EX3. Leider finde ich im Netz die Treiber nicht und kann somit keine Korrekturdaten anwenden. Kannst du mir da vielleicht weiterhelfen? LG Byorn

    1. Daniel Reply

      Hallo Byorn,
      ich erinnere mich (finde aber gerade die Quelle nicht), dass man für das Eizo EX3 die Treiber für den Datacolor Spyder herunterläd (nicht installieren!) und in bei der Auswahl der Korrektur in Display-Cal auf die Installationsdatei des Treibers verweist.
      LG, Daniel

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